• English (United Kingdom)
  • Deutsch (DE-CH-AT)
  • Svenska (Sverige)
Religion und Rituale


Man sollte in seiner eigenen Religion bleiben, sonst kommt es zum Verfall; aber während man seine Religion beibehält, sollte man einen Gurmukh suchen – eine erwachte Seele – die bereits vollkommene Selbstverwirklichung erlangt hat. Ohne diese wahre Gemeinschaft kann man kein richtiges Verstehen erlangen.
"Begegnen wir jemandem, durch den alles 'Durmat' (falsche Verstehen) von uns abfällt, so ist derjenige unser wahrer Freund." Nur selten wird man einen solchen Freund finden, selbst wenn man die ganze Welt durchforscht.

                                                                                                          Kirpal Singh

 

Der Gurmukh lässt sich nicht auf irgendein bestimmtes Ritual, Dogma oder Religionsbekenntnis festlegen, da er die wahre Bedeutung jeder Handlung kennt. Obwohl er nach außen hin all diesen Dogmen und Bekenntnissen Respekt erweist, akzeptiert er sie nicht als Glauben. Durch sein beständiges Bemühen aus ganzem Herzen, verströmt er den Duft göttlicher Liebe, und es ist sein lebenslanger Wunsch, diesen Duft beständig weiterströmen zu lassen. Einen Gurmukh zu erkennen ist schwierig. Seine Sicht geht weit über unsere begrenzte Wahrnehmung hinaus. Die 'sogenannten Leute' schauen geringschätzig auf ihn herab. Der Gurmukh hat das richtige Verstehen, mit dem er Schein und Wirklichkeit unterscheiden kann. Immer wieder in seinem Leben enthüllt er anderen das Geheimnis des Lebens.

 *

In Übereinstimmung mit dem göttlichen Willen respektiert und befolgt er alle Gesetze und Regeln. Er ist eher scheu und hält sich zurück. Die Worte des Meisters begleiten ihn beständig. Er handelt liebevoll ohne irgendwelche Einwände zu erheben, nicht einmal in Gedanken. Er hält sich an die weltlichen Gesetze und beachtet auch die Riten und Rituale der Religion, der er angehört. Dann kommt in seinem Leben eine Stufe, wo er die Ebene der Liebe und Berauschung erreicht und er opfert alle Gesetze und Normen der Welt und der Religion, der er angehört, der beständigen Schwingung der Liebe, die von der strahlenden Form seines Meisters ausgeht. Er kümmert sich nicht darum, was die Leute über ihn sagen könnten. Seine Schau ist nun ganz klar und mit scharfer Unterscheidungskraft ausgestattet und hält das Ansehen der Meisterkraft hoch.

 *

Er respektiert alle Religionen und die Riten und Rituale der verschiedenen Religionen. Diese Religionen und äußeren Riten und Rituale wurden ursprünglich für einen guten Zweck geschaffen. Die Menschen vergaßen den wirklichen Sinn und sind nur noch an die äußeren Fesseln gebunden. Er wird den zugrunde liegenden Sinn all dieser Gebräuche, die sich gebildet haben, erklären.

 *

Er vergleicht und studiert die Heiligen Schriften und stellt fest, dass es keinen Grund gibt, die universale Lehre, die, die Lehre aller kompetenten Meister ist, zu verwerfen. Er respektiert all diese Meister, denn sein Meister hat ihn damit gesegnet, sie alle auf den höheren Ebenen zusammenarbeiten zu sehen. Hier nun sind all die Schüler der verschiedenen Meister, die von diesen Meistern zu unterschiedlichen Zeiten initiiert wurden, zusammengewürfelt. Der Gurmukh lehrt die Einheit, um der gemeinsamen Sache zu dienen und um sie von den Schwächen ihres früheren Lebens zu befreien.

 *

Die äußeren Riten und Rituale haben auf ihn keinen Einfluss, vielmehr kann er sie verschönen, indem er den zugrunde liegenden Sinn erklärt. Was er auch sagt, beruht auf den Erfahrungen, die er im praktischen Leben gemacht hat und sie stimmen mit den Erfahrungen aller kompetenten Meister überein, so wie es von ihnen auch in den Heiligen Schriften niedergelegt wurde. Er hat kein Interesse an nutzlosen Gesprächen, die am Ende zu nichts führen.

 *

Es ist ein großer Unterschied, ob dieselben Worte von den Heiligen Schriften übermittelt werden oder vom Gurmukh. Seine Worte enthalten die Essenz, die diesen Worten zugrunde liegt, und geben uns diese Essenz weiter, während in den Heiligen Schriften nur ihre Bedeutung dargelegt wird. In der Praxis ist der Gurmukh der Vermittler, der mit Hilfe der heiligen Worte seines Meisters die Saat der Menschlichkeit verteilt.

 *

Sich zur Schau stellen, sich in Pose setzen und im Äußeren Gebete zu verrichten, hat den Platz der Wahrheit eingenommen. Wer davon beeindruckt ist, wird dabei von kurzzeitigen Gefühlen und Emotionen erfasst. Kommen solche Menschen jedoch mit einem Gurmukh in Verbindung und hören ihm zu, hinterlassen seine Worte einen unauslöschlichen Eindruck in ihnen. Niemand kann die Tatsachen bestreiten, die der Gurmukh durch die Gnade seines Meisters anderen offenbart.

 *

Die Menschen treffen sich zu verschiedensten Festen und Zeremonien, sie amüsieren sich und lachen. Was sie tun, ist selbst erdacht, und sie geben sich so gegenseitig das Gefühl, glücklich zu sein. Mit dem eigentlichen Sinn der Feier kommen sie dabei nicht in Berührung. Dadurch hat der Mensch den inneren Gehalt, den positiven Wert und den Zweck solcher Anlässe abgeändert. Der Gurmukh weiß bereits über jeden Glauben und jede Zeremonie Bescheid, und wenn er solche Veranstaltungen besucht, wird er über die positive Absicht dieser Treffen sprechen und darüber, wozu diese Zeremonien gut sind. Der Sinn jeder Zeremonie war es, den Menschen der Wirklichkeit näher zu bringen. Aber da die Menschen nicht dementsprechend leben, hat sich alles vollständig verändert und all das wurde zu Fesseln. Das Ziel des Gurmukh ist es, auf jede nur erdenkliche Weise eine umfassende Veränderung in das Leben der Menschen zu bringen.

*

Normalerweise hat jemand, der nicht an Gott glaubt, einen bestimmten Grund dafür. Meistens waren es die äußeren Riten und Rituale, die sehr engen und starren Regeln und die äußeren Beschränkungen, die es in bestimmten Gemeinschaften gibt, die die Menschen dazu trieben, sich ihre eigenen Ansichten zurechtzulegen. Wenn der Gurmukh sich solcher Menschen annimmt, wird ihnen durch die Lehre, die den Menschen zur Kunst des Lebens führt, geholfen, an die Kraft in sich selber zu glauben. Solche Menschen werden dann manchmal zu sehr wirkungsvollen Werkzeugen in der Mission des Meisters. Sie haben in bestimmten Punkten gegenteilige Ansichten, aber das kann bereinigt werden durch das Leben in der Praxis.

 *

Die "sogenannten" Glaubensanhänger zwingen anderen ihren falschen Glauben als Glauben auf, und so verlieren viele ihren Glauben an Gott. In der Gemeinschaft eines solchen falschen Heiligen zu bleiben bedeutet, den Glauben an den ewigen Glauben zu verlieren. Der Glaube an "sogenannte Meister" kann niemals der Glaube an Gott sein. Wenn Menschen, die vielleicht schon mehrmals von den höheren Werten des Lebens gehört, aber nie danach gelebt haben, dem Gurmukh begegnen, erfahren sie durch die kraftvollen und positiven Worte des Gurmukh einen wunderbaren Wandel. Seine Worte erinnern sie an das "Wort", das sie für ihr praktisches Leben brauchen.

 *

Der Gurmukh glaubt nicht, dass der Weg der Selbsterkenntnis darin besteht, sich zur Schau zu stellen, oder sich in Pose zu setzen, noch rät er anderen, so etwas zu tun, denn das lässt den Menschen den Glauben an Gott in sich verlieren und lässt ihn im Bereich der Illusion umherwandern. Er rät, an die natürliche Art des Lebens zu glauben und an die aller einfachste Methode, um sich über die komplizierten Traditionen zu erheben, die von den sogenannten Glaubensanhängern propagiert werden.

*

Guru Nanak sagt: "Friede sei auf der ganzen Welt, o Herr." Sant Kirpal Singh drückte es so aus: "Politik, Religion und Spiritualität haben ein und dasselbe Ziel: Den Menschen zu entwickeln und dem Menschen zu dienen." Wenn das nicht verwirklicht wird, kommt es zu vielen Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten, und unter dem Einfluss der negativen Kraft bewirken sie Spaltungen. Der bewusste Mitarbeiter am göttlichen Plan ist in dieser Welt ein lebendiges Beispiel und hegt alle guten Wünsche für alle Menschen dieser Erde.