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Fernsehinterview


Interview mit Dr. Harbhajan Singh, Wien/Österreich, 24. Juni 1994

Dr. Harbhajan SinghFrage: Was sind die Grundaussagen Ihrer Lehre?

Dr. Harbhajan Singh: Sie wissen, man findet die grundlegende Wahrheit in jeder Religion. Und die Erfahrungen, die unsere kompetenten Meister hatten, müssen auch wir erlangen. Denn es ist so, dass alles was in den heiligen Schriften niedergeschrieben wurde, auf dem beruht, was unsere kompetenten Meister erfahren haben. Diese Erfahrungen müssen auch zu unserer Erfahrung werden.

Frage: Und was ist das für eine heilige Erfahrung, von der die Schriften sprechen?

Dr. Harbhajan Singh: Dieser Körper ist der wahre Tempel Gottes, und darin haben wir uns zu erheben. Durch die nach außen gerichteten Sinneskräfte identifizieren wir uns mit dem Körper und damit mehr mit den Dingen im Äußeren, wir müssen uns jedoch über das Körperbewusstsein erheben. Es ist unsere Aufgabe zu erkennen, was wir sind, wer wir sind, woher wir kommen, wie wir in diese Welt gekommen sind und was der Zweck unseres Lebens ist. Denn es ist eine goldene Gelegenheit, den physischen Körper zu besitzen, da er der wahre Tempel Gottes ist. Unsere Aufgabe ist es, das Rätsel des Lebens zu lösen. Alle Meister haben das Rätsel des Lebens gelöst, und sie betonten, wie notwendig dies auch für uns ist. So ist dies eine goldene Gelegenheit und wir sind an der Reihe, Gott zu begegnen. Alles andere in der Welt ist weniger wichtig.

Frage: Sie sagten also, das Wichtigste ist, Gott zu begegnen, und wie können wir Gott begegnen?

Dr. Harbhajan Singh: Es gibt viele Wege, der Weg jedoch, den alle kompetenten Meister gingen, war einzigartig, und er ist der einzige Weg (um wirklich Gott zu finden). Alle kompetenten Meister, ob sie im Osten oder Westen, an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten (in diese Welt) kamen, lehrten übereinstimmend ein und dieselbe Wahrheit. Wenn Sie die heiligen Schriften lesen, können Sie diese Übereinstimmung finden. Und darum geht es uns. Es gibt jedoch viele andere Schriften, die als heilige Schriften bezeichnet werden, die von verschiedenen Meistern verfasst worden sind – lassen wir beiseite, ob sie von kompetenten oder von sogenannten Meistern stammen – ihre Erfahrungen stimmen jedenfalls nicht überein. Ihre Aussagen gehen auseinander. Wir müssen also unterscheiden, (wovon die einen sprechen und wovon die anderen sprechen).

Der Mensch zeichnet sich durch eine positive Eigenschaft aus – er hat Unterscheidungsvermögen. Dadurch hebt er sich von der gesamten übrigen Schöpfung ab. Diese Fähigkeit, unterscheiden zu können, ist ein großer Segen der Gotteskraft; der Mensch ist dadurch in der Lage, alles richtig einzuschätzen. Es ist unsere Aufgabe, über alles was sich im Äußeren und im Inneren abspielt, Bescheid zu wissen. Und sehen Sie, alle heiligen Schriften sind das Ergebnis einer inneren Erfahrung. So ist zum Beispiel die Frage im Innern und die Antwort liegt auch im Innern. Angenommen, Sie stellen mir eine Frage und ich gebe Ihnen eine falsche Antwort – Sie würden mir niemals zustimmen, denn die richtige Antwort ist bereits in Ihnen. Daher können wir die Erfahrungen, die in den heiligen Schriften niedergelegt sind, von innen heraus selbst unterscheiden. Selbst wenn es keine heiligen Schriften mehr gäbe, könnte man sie von neuem niederschreiben, da man alles im Innern sieht. Wenn man nach innen geht, ist es möglich, alles herauszufinden. Der Körper ist der wahre Tempel Gottes. Alles ist im Innern zu finden, nicht im Äußeren. Der Makrokosmos ist im Mikrokosmos.

Frage: Sie sagen also, dass zum Beispiel Christus oder mag sein Mohammed, dieselbe Gotteserfahrung hatte wie Sie, dieselbe Erfahrung, die Sie Ihren Schülern lehren?

Dr. Harbhajan Singh: Es ist dieselbe Erfahrung, sie unterscheidet sich nicht. Wir aber müssen unterscheiden (zwischen der wahren Erfahrung, die in allen heiligen Schriften beschrieben wird und den negativen Erfahrungen der sogenannten Meister, die immer unterschiedlich sind). Die Lehre aber, die wir im Innern finden, ist immer dieselbe. So ist das, was Jesus Christus, Guru Nanak und Sant Kirpal Singh lehrten, ein– und dasselbe. Es besteht kein Unterschied. So wie bei allen anderen Meistern beginnt auch nach der Lehre von Jesus Christus die Religion erst dort, wo alle Philosophien der Welt enden. Die Philosophien der Welt enden also nicht im Bereich der astralen oder der kausalen Ebene sondern erst wenn man darüber hinausgeht. (Die astrale und kausale Ebene sind die nach der physischen Ebene folgenden feinstofflicheren Welten, die jedoch materiell sind und daher noch dem Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt, von Werden und Vergehen unterliegen.) Der Himmel jedoch, von dem Christus gesprochen hat, befindet sich jenseits von Ursache und Wirkung – dem Gesetz, dem die Welt unterliegt. In diesem Sinne muss man unterscheiden. Viele (die als) Meister (auftreten), lehren etwas, das unter diesem Standard liegt, das bedeutet, es ist eine Lehre, die sich auf die astrale oder höchstens auf die kausale Ebene bezieht. Sie lehren viele Yogapraktiken, die eigentlich nicht mehr sind als Gymnastikübungen. Das hat mit der Wahrheit nichts zu tun.

Frage: Aus dem Osten kommen heute viele, die im Westen Meditation und Yoga lehren und behaupten, das sei der richtige Weg und man hätte genau das zu tun.

Dr. Harbhajan Singh: Schauen Sie in Ihren heiligen Schriften nach, was ist dort ausgesagt? Sollen wir dem folgen, was dort gelehrt wird, oder dem, was jene Lehrer sagen? Wir müssen unterscheiden! Es ist unser Fehler, nicht der dieser Lehrer – sie leben davon und nutzen es für sich aus.

Das ist also eine Antwort auf all diese Fragen, die entscheidende Antwort – die Philosophie, der wahre Himmel, von dem alle kompetenten Meister gesprochen haben, liegt nicht innerhalb des Bereichs von Ursache und Wirkung der Welt, selbst nicht innerhalb der Kausalebene. Man muss sich über Ursache und Wirkung (und damit über die drei Welten) erheben. Nur dann kann man den Himmel betreten, von dem Christus gesprochen hat. Dort kann man das Brot und Wasser des Lebens erhalten. All diese Erfahrungen, die man innerhalb der astralen und kausalen Ebene erlangen kann, sind also nicht mehr als Magie, ein Zauberspiel, und nicht mehr.

Alle Seelen, die sich dort aufhalten, wirken in diesem Bereich mit Riddhis und Siddhis, (übernatürliche Kräfte, die man durch bestimmte Yogapraktiken erwerben kann), und sie haben keinerlei Unterscheidungskraft. Es gibt niemanden mit richtigem Verstehen in den Religionen; wenn es jemanden gibt, dann erhebt er sich über die Fesseln und die Begrenztheit der Religion. Das Gleiche gilt für die astrale und die kausale Ebene. All die Kräfte (in der Astral- oder Kausalwelt), ob es nun Engel, Götter und Göttinnen oder Avatare sind, verlieren dort ihr Unterscheidungsvermögen. Wenn es dort jemanden gäbe, der Unterscheidungsvermögen hätte, würde er sich über den Bereich von Ursache und Wirkung erheben und nicht in der astralen und kausalen Ebene bleiben.

Frage: Wie kann ich erkennen, wer der kompetente Meister ist?

Dr. Harbhajan Singh: Das Wichtigste ist, dass es nur einen Handelnden gibt, einen, der alles bewirkt, und das ist die Christuskraft, Meisterkraft oder Gotteskraft. Man muss unterscheiden zwischen Jesus und Christus. Es ist ein Unterschied zwischen Jesus und Christus. Jesus war der menschliche Pol, durch den die Christuskraft wirkte. Christus existierte bereits vor Jesus, diese Kraft hat keinen Anfang und kein Ende, sie hat die ganze Schöpfung hervorgebracht und erhält jeden von uns. Wir haben eine direkte und unabhängige Verbindung mit dieser Gotteskraft. (In diesem Sinne) gibt es keinen Meister in der Welt, und selbst die, die als Meister in die Welt kommen, sagen von sich, dass sie gekaufte Sklaven Gottes sind. Es gibt nur einen Handelnden. Wenn man sieht, dass unser Vater alles tut, wie kann man dann behaupten, dass man es selbst getan hat?

Lesen, Schreiben, Gefühle, Emotionen und Schlussfolgerungen, all das unterliegt dem Irrtum. Sehen ist das Höchste. Wenn man den Vater wirken sieht, hört man auf, selbst der Handelnde zu sein. Er ist der einzige Handelnde.

Frage: Ich glaube, Sie lehren Ihre Schüler, wie man mit Gott in Verbindung kommen kann? Welchen Weg lehren Sie also?

Dr. Harbhajan Singh: Der Mensch ist älter als alle Philosophien der Welt und so ist es unsere Aufgabe, der uralten Lehre, die in uns ist, zu folgen. Und genau diese Lehre, diese Erfahrung in uns, sie wird von Gott selbst gegeben, wenn man empfänglich wird und Sehnsucht nach Gott hat. Die Gotteskraft ist im Innern, sie wird uns helfen, dorthin zu kommen, wo man nur für Ihn arbeitet. So wird man also in Verbindung gebracht. Licht kommt von Licht und Leben von Leben. (Nur wer selbst mit Gott verbunden ist, kann anderen helfen, auch mit Ihm in Verbindung zu kommen.)

Es ist das wichtigste Kriterium an dem man jemanden erkennen kann, der von Gott beauftragt ist, dass er nie selber sagt, er sei ein Meister. Er ist bereits mit der Gotteskraft verbunden und er wird auch Ihnen helfen, die Verbindung mit Gott zu erhalten. Das ist seine Aufgabe. Er wird Sie über das Körperbewusstsein erheben und Ihnen die Erfahrung geben, die man auch zum Zeitpunkt des Todes macht. Diese Erfahrung bringt Sie über den Bereich von Ursache und Wirkung hinaus. So wird man wiedergeboren im Geiste. Wenn man in den Himmel gelangt, erhält man dort das Wasser und Brot des Lebens. Hat man es einmal erhalten, hat man kein Verlangen mehr danach, in die Welt zurückzukehren. Das entspricht der wahren Lehre. Wenn man dort mit dieser Erfahrung gesegnet wurde, muss man nicht mehr in diese Welt geboren werden, man muss nur (in diesem Leben) die Rückwirkungen aus der Vergangenheit beenden. Das ist die Lehre aller Meister. Die Gotteskraft offenbarte sich in vielen Formen. Einmal kam sie als Jesus Christus, einmal als Guru Nanak, als Kabir, als Guru Gobind Singh und einmal als Sant Kirpal Singh. Sie hatten alle dieselben Erfahrungen. Wir haben alle denselben Vater, wir alle sind von ein- und derselben Quelle ausgegangen und müssen zu dieser Quelle zurückkehren. Das, was wir zu lernen haben, bleibt immer das Gleiche. Wenn das, was gelehrt wird, sich von dem unterscheidet, was alle Meister lehrten, ist es nicht die richtige Lehre. Seien Sie versichert, wir sollten dieselbe Erfahrung erhalten wie unsere kompetenten Meister, und nicht andere Erfahrungen.

Frage: Das Problem ist, dass nach Sant Kirpal Singhs Tod viele verschiedene andere Meister in Erscheinung traten, die sagten: “Ich bin der wahre Nachfolger von Kirpal Singh.” Was können Sie über sie sagen?

Dr. Harbhajan Singh: Die Heiligen sagen, dass jene, die von sich selbst behaupten, dass sie Meister sind, nie ein Meister sein können. Das ist das eine. Wenn es wirklich jemanden gibt, der ein Meister ist, wird er nie sagen, dass er der Meister ist, aber er kann die Erfahrung geben. Wer gibt die Erfahrung? Sein Meister.
(Die meisten, die sich als Nachfolger sehen, behaupten Meister zu sein, und werden so selber zum Handelnden. Wenn jemand selber zum Handelnden wird, ist es nicht möglich, dass die Gotteskraft durch ihn wirkt. Wer wirklich von Gott beauftragt ist, sieht, dass sein Meister, die Gotteskraft, alles tut.)

Frage: Dann sagen Sie also, dass die, die sich als Nachfolger von Sant Kirpal Singh bezeichnen, dieselbe Erfahrung geben können wie Sie?

Dr. Harbhajan Singh: Es ist so, dass mein Meister die Erfahrung gibt. Er ist der Geber. Jede Erfahrung, die Sie erhalten, ist Ihr Erbe. Diese Erfahrung liegt bereits in Ihnen, niemand gibt Ihnen etwas von außen. Ein Meister ändert Sie nicht von außen, er lehrt Sie nichts anderes als das, was bereits in Ihnen ist. Diese Lehre ist also in Ihnen. Er lenkt nur Ihre Aufmerksamkeit von außen nach innen, er macht Sie zu einem vollständigen Menschen, der alles in sich selbst hat – immerhin, er hilft Ihnen ein wenig, dass Sie sich über das Körperbewusstsein erheben und (im Innern) selber sehen können. Wenn Sie einmal selber gesehen haben, werden Sie es bestätigen.

Sant Kirpal Singh sagte zu mir: "Du bist ein gekaufter Diener Gottes, du musst einfach die Arbeit ausführen, und nur die werden zu dir kommen, die von Gott geschickt sind, andere nicht. So wird die Arbeit für dich und die anderen (die mit dir zusammenarbeiten) sehr einfach sein."

Diese Menschen haben bereits einen Hintergrund. Sie erhalten die Erfahrung und sind glücklich. Ich sage allen: "Da Sie nun wissen, was der Zweck des menschlichen Lebens ist, sollten Sie dementsprechend leben, und für die Gotteskraft leben und arbeiten. Da unsere Verbindung mit der Gotteskraft direkt und unabhängig ist, ist es unsere Aufgabe, die Probleme, die wir für uns und andere geschaffen haben, auch selbst wieder zu beseitigen. Wir sollten zu einem Menschen werden, der in sich selbst vollkommen ist. Dazu müssen wir wahr zu uns selbst sein, und nicht nur zu uns selbst, sondern auch zu den anderen, so dass wir in der Welt ein Beispiel werden.

Einer in einer Stadt, sagen wir zum Beispiel in Wien, genügt, um überall eine wunderbare Atmosphäre zu verbreiten. Die Aufgabe des Meisters ist vergleichbar mit einer Parfümerie; wenn man eine Parfümerie betritt, ist alles von Duft erfüllt, und man bekommt diesen Duft kostenlos.

Die Meister, die wirkliche Meister sind, werden sich also nie selbst als Meister bezeichnen, und ein weiteres Kriterium ist, dass ein wirklicher Meister nicht für sich selber lebt und kein Geschäft mit der Spiritualität macht. Sie helfen dabei, sich über das Körperbewusstsein zu erheben. Das ist eine Ersthanderfahrung, sie hat nichts zu tun mit niedrigeren Dingen, den Fangarmen des Gemüts und der Materie, und den nach außen gerichteten Sinneskräften.

Frage: Was muss ich tun, wenn ich diese Erfahrung machen möchte, wenn ich mich über das Körperbewusstsein erheben möchte? Was kann ich tun, ich meine, in meinem praktischen Leben?

Dr. Harbhajan Singh: Das Wichtigste ist, dass wir die Kompetenz unseres Meisters kennen, wir müssen wissen, was er von uns möchte, was er von uns wünscht, und wir müssen eins werden mit Ihm. Als erstes müssen wir völlig vertraut sein mit der Lehre und wissen, was im Innern für uns bereitgehalten wird. Wenn wir theoretisch verstanden haben, was das Leben ist und worum es im Leben geht, eröffnet uns das den praktischen Zugang dazu. Wenn man diesen praktischen Aspekt im Leben verwirklicht, lernt man dadurch, wie man sich über das Körperbewusstsein erheben kann. Damit sind aber nicht die Praktiken gemeint, die heute im Äußeren gelehrt werden, wie z. B. in die Chakras zu gehen (Chakras sind feinstoffliche Nervenzentren, die bei den verschiedenen Yogatechniken z. Bsp. aktiviert werden) oder einfach irgendwie am Sitz der Seele zu meditieren. Heutzutage sagen schon alle, dass hier (auf der Stirn) der Sitz der Seele ist; aber wo befindet er sich wirklich? Denn wenn man versucht zu meditieren und sich am Sitz der Seele zu konzentrieren, gelangt man zuerst zum Sitz des Intellekts und dann zum Sitz des Gemüts, und sieht Licht im Bereich des Gemüts. Das Gemüt im Körper ist immer astral, und wenn man sich am Sitz des Gemüts angestrengt konzentriert, wird einen das in die Chakras bringen. Dort sieht man Schönheiten aller Art und verschiedenste Szenerien, die keine Realität besitzen, und der Mensch erliegt diesen Täuschungen in den Chakras – er vergeudet damit sein Leben. Und selbst wenn es jemandem gelingt, die Chakras zu durchqueren und in die Astralebene zu gelangen – diese astrale Region wird von der negativen Kraft beherrscht. Sind diese Seelen einmal in die astrale Ebene gekommen, so verlieren sie ihr Leben für alle Zeit, da sie sich dann unentrinnbar unter der Kontrolle der negativen Kraft befinden.

Vielleicht haben Sie die Lebensgeschichte so mancher Rishis und Munis gelesen, die bis zum Skelett abmagerten und dennoch nicht der Astralebene entrinnen konnten. In dieser Astralebene befinden sich die astralen Himmel und Höllen, die von der negativen Kraft geschaffen wurden. Diese Bereiche konnten von ihr geschaffen werden, da wir Menschen Wünsche hatten und die negative Kraft sie erfüllte. Dadurch haben wir ihr unsere Kraft gegeben, und so konnte sie die Hölle für die Sünder und den Himmel für die frommen Egoisten hervorbringen. Beide sind unter ihrer Kontrolle. Das kann also nicht der richtige Weg sein. Es ist eine große Täuschung. Überall in der Welt entstehen heute dadurch große Probleme, und die Menschen werden durch diese astralen Erfahrungen psychisch krank.

Das astrale Licht beeinträchtigt das Gemüt, die Psyche. Die astralen Lichterfahrungen machen den Menschen mehr und mehr emotional. Je mehr solche "Meister" auftreten, die in dieser Richtung arbeiten, desto mehr Probleme entstehen in der Welt. Ansonsten ist die Menschheit bereits eins, die Lehre ist nur eine, das was wir zu lernen haben, ist ein- und dasselbe. Wir lernen alle in ein- und derselben Klasse, unsere Aufgabe ist dieselbe, und obwohl wir die verschiedenen Abzeichen der verschiedenen Schulen tragen, ist das, was wir zu lernen haben, immer ein- und dasselbe. Das sollte also unser Anliegen sein. Würden wir beginnen, das Richtige innerhalb unserer eigenen Religion, unserer eigenen Gruppierung zu lehren, würde es keine Probleme geben.

Frage: Unity of Man sagt, dass alle Religionen gleich sind und dass sie versuchen, den Menschen dieselbe Wahrheit nahe zubringen. Aber in Wirklichkeit ist es doch so, dass man zum Beispiel im Christentum sagt: "Wir sind die einzige richtige Religion, und wir müssen alle anderen zum Christentum bekehren." Ich glaube, der Islam sagt auch: "Wir sind die einzige richtige Religion." Was antworten Sie diesen Leuten?

Dr. Harbhajan Singh: Gott schuf den Menschen und der Mensch schuf die Religionen. Niemals in der Geschichte hat ein kompetenter Meister eine Religion gegründet. Erst die Anhänger machten eine Religion daraus und schufen viele äußere Riten und Rituale. Als die Zeremonien und Gebräuche ihnen nichts mehr gaben (und völlig ihren Inhalt verloren), schufen sie die engen Abgrenzungen (z. B. durch Dogmen) und damit Fesseln. Und all die Probleme (die es heute mit den Religionen gibt) beruhen auf diesen Engstirnigkeiten und Vorschriften. Eine davon ist das bezahlte Predigen – dass man für die Lehre bezahlen muss, ist ein Problem, das uns alle betrifft. Wenn man sich jedoch über die Fesseln und Engstirnigkeiten der Religion erhebt, ist das, was bleibt, die wahre Religion, die wahre Lehre, und in diesem Sinne bestehen die Unterschiede dann nicht mehr, und wir kommen wieder zusammen.

All die verschiedenen Religionen und Länder sind die verschiedenen Räume im Haus des Herrn. Es sind nur die geographischen Gegebenheiten, die den Menschen unterschiedlich geprägt haben. Die Saat der Menschheit wurde an einem Ort gepflanzt, wir Menschen aber haben sie entsprechend unseren Wünschen und Vorstellungen überall ausgesät. Ansonsten aber sind wir alle eins. Wenn die Lehre nur eine ist, wie kann dann jemand sagen: "Ich bin größer als die anderen, meine Lehre ist höher als die der anderen"? Nein, das Problem besteht nur in unserem Denken. In Wirklichkeit sind wir alle eins, und ein bewusster Mitarbeiter am göttlichen Plan wird alle Menschen lieben und alle Religionen respektieren, denn er sieht seinen Meister in jedem und liebt daher jeden. Das ist eine Eigenschaft, die einen bewussten Mitarbeiter am göttlichen Plan auszeichnet. Er wird keine Religion über die anderen stellen, alle Religionen respektieren und alle Menschen achten, egal in welches Land oder in welche Religion jemand hineingeboren wurde, da ein bewusster Mensch sich bereits über die Begrenztheit und Engstirnigkeiten erhoben hat. Das ist eine Schönheit, die ihm eigen ist.

Durch die Gnade meines Meisters hat Er mich über das Körperbewusstsein erhoben und alles was ich sage, stammt aus meinem praktischen Leben. Es nicht Ego, sondern Seine Gnade. Schon als Kind – ich war gerade fünf Jahre alt – konnte ich mich über das Körperbewusstsein erheben, durchquerte im Innern die Sterne, den Mond und die Sonne, und ich erfuhr eine tiefe Glückseligkeit. Das hat mein Leben verändert. Und als ich dann älter wurde, hatte ich große Sehnsucht, der Gotteskraft zu begegnen. (Da Guru Nanak im Guru Granth Sahib diese Erfahrungen beschreibt) sah ich ihn als meinen Meister an. Als dann meine Sehnsucht zu einem tiefen Verlangen, zum wichtigsten Wunsch in meinem Leben wurde, erschien mir Sant Kirpal Singh. Ich sagte, dass ich Guru Nanak sehen möchte und Er sagte: "Denk an mich". Als ich an ihn dachte, erschien Guru Nanak; so erkannte ich, dass sie eins sind.

Die Heiligen sagen, dass sie alle eins sind, und wenn Sie diese Erfahrung erhalten, werden auch Sie sehen, dass sie alle eins sind. Es ist, wie wenn in einem Raum viele Glühbirnen brennen – unsere Aufmerksamkeit ist nicht auf das Glas der einzelnen Glühbirnen, sondern auf das eine Licht gerichtet. Alle (Heiligen und Meister) kommen von ein- und derselben Quelle und werden wieder zu ein- und derselben Quelle zurückkehren. Sie alle wirken immer noch unter uns, sie haben uns nicht verlassen. Christus sagte: "Ich werde euch nicht verlassen noch versäumen bis zum Ende der Welt." Die Frage nach der Rückkehr, wann diese Kräfte zurückkommen werden, stellt sich daher gar nicht. Sie sind in uns. Wir müssen uns nur über den Bereich von Ursache und Wirkung erheben (um sie zu treffen). Solange wir uns im Bereich der drei Welten befinden, können wir sie nicht erfahren, nicht mit Ihnen in Verbindung sein. Alle diese Erfahrungen, die man durch die angeblichen "Meister" erhält, sind Erfahrungen auf der Ebene der Sinne. Das stärkt nur die Sinne und das Gemüt, nicht mehr. (Gott kann nur durch das Bewusstsein oder die Seele, den Geist erkannt werden, der vom selben Wesen wie Gott ist, und nicht durch die Sinne oder Gefühle und Vorstellungen). Die Erfahrungen auf der Ebene der Sinne und des Gemüts sind nichts als schwarze Magie, Mesmerismus, Spiritismus, Spiritualismus usw., keinesfalls mehr als das. Und die, die sich darauf eingelassen haben, können nicht erwarten, wieder einen menschlichen Körper zu erhalten. Sie werden im Rad der Geburten und Tode abwärtsgehen. Alle Seelen, die sich in den drei Welten befinden, sind der Seelenwanderung unterworfen. So verlieren wir unser Leben, nur weil wir kein richtiges Verstehen haben. Diese Unwissenheit hat den Menschen vom richtigen Weg abgebracht und in die Irre geführt. Die Menschen sind naiv und unwissend und wer ist schuld daran? Diejenigen, die das Falsche lehren. Kabir sagte: "All diese sogenannten Meister, die solche Praktiken lehren, sind Übeltäter." Diese Praktiken haben nur Schlechtes bewirkt.