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Erziehung durch Vorbild

Von Dr. Harbhajan Singh

Ihr habt Kinder, daher ist es eure Pflicht, sie zu lehren. Das könnt ihr aber nicht allein mit Geld, nicht nur mit schönen Kleidern, oder indem ihr sie mit Liebe über­schüttet. Eigentlich ist das Kind bewusster als wir. Es ist also nicht die Frage, wie das Kind zu lehren, sondern was wir dem Kind vorleben. Was brauchen die Kinder von uns? Sie möchten von ihren Eltern reine Gedanken, Worte und Taten sehen.

Wenn ein Kind geboren wird, kommt es immer mit der vollen Wahrheit in die Welt (im Mutterleib ist es ständig mit Licht und Ton – Shabd, Naam oder dem Wort verbunden). Das möchte es (im Leben) wiedererlangen, um nach Hause ge­hen zu können. Während sie im Leib der Mutter waren, gaben sie (der Gotteskraft) das Versprechen, zurückzugehen. Wenn der Körper für die Seele im Mutterleib ge­formt wird, wird die Seele an jeden einzelnen Knochen gebunden. Dies ist ein schmerzhafter und qualvoller Vorgang, so qualvoll, wie alles Schicksal eines Le­bens zusammengenommen nicht qualvoller sein kann. Deshalb verspricht die See­le so zu leben, dass sie das niemals mehr erleiden muss. Wenn aber das Kind sieht, dass seine Eltern nicht dementsprechend handeln, so hat es den Wunsch frei, inner­halb der ersten 6 Monate wieder zurückzugehen. Das ist ein Zugeständnis von der Gotteskraft, dass das Kind innerhalb von 6 Monaten wieder zurückgehen kann, wenn es seine Eltern nicht annehmen kann.

Sie erhielten die menschliche Geburt nur, um jene Verbindung mit Gott wieder­zuerlangen. Das war der einzige Grund. Daher haben wir ihnen zur Wirklichkeit zu verhelfen – mit jedem Atemzug haben wir ihnen rechtes Verstehen zu übermitteln. Das ist auch Mission. Wenn unsere Kinder missgeleitet sind, dann waren wir nicht wahr zu ihnen. Wir sahen Kinder mit sehr gutem Hintergrund, die durch ihre Eltern verdorben wurden. Dann verloren diese Kinder ihre Tugenden. Baba Sawan Singh sagte immer, wenn wir wollen, dass unsere Kinder reine und rechte Gedanken ha­ben sollen, wir selbst zuerst so werden müssen – wir müssen beginnen, auf die rechte Art zu leben. Dann werden nicht nur unsere Kinder, sondern auch alle ande­ren, die mit uns in Kontakt kommen und uns zuhören, davon angezogen werden.

Meister hat über die Kinder etwas sehr Schönes gesagt: Bis zum Alter von 5 Jah­ren bleiben sie in direktem Kontakt (im Innern) mit der Meisterkraft oder Gotteskraft. Nach 5 Jahren wird dieser Kontakt von innen her abgebrochen, und das Kind wird direkt in die Hände der Eltern übergeben. Sie haben ihnen nun rechtes Verstehen zu vermitteln. Von 5-18 Jahren bleibt das Kind in der Obhut der Eltern (die Eltern sind für die Entwicklung verantwortlich). Wenn die Eltern ihnen spirituelle Lektionen, Menschwerdung und Dienst am Menschen übermitteln – all das, was sie selbst praktizieren, – werden die Kinder es nachahmen. Es braucht nichts gelehrt zu werden, denn die Kinder werden ganz von alleine lernen, weil sie diese Dinge auf praktische Art und Weise erleben. Nach dem 18. Lebensjahr können die Eltern glücklich, nachdem sie ihre Pflicht getan haben, die Kinder in die Hände Gottes zu­rückgeben. Nun ist die Meisterkraft, Gotteskraft für ihr Leben verantwortlich. Wenn ein Kind, das vollkommen vorbereitet wurde, der Gotteskraft zurückgegeben wird, wird man während seines ganzen Lebens keinen einzigen Fehler finden können. So sollten die Umstände in der Familie sein.

Mit all diesen Dingen habt ihr viel Verantwortung zu tragen. Es ist eine große Sa­che, Kinder auf die Seite Gottes zu bringen. Wenn ihr euch von den Kindern freima­chen wollt und nachlässig ihnen gegenüber seid, wird euch die Meisterkraft nie­mals Segen geben. Das ist eine spirituelle Angelegenheit – ein Gesetz.

Innerhalb von 5 Jahren wächst das Kind heran und wird mehr und mehr bewusst für die Welt. Was geschieht mit dem Kind? Wenn es sieht, dass wir hochmütig sind, wird es auch so werden. Es lernt von uns. Im Grunde ist es sehr einfach, das Kind zu lehren – das Zuhause ist die praktische Schule. Gute Schulen sind gebraucht, aber die wichtigste Schule ist zu Hause. Wenn sie hier richtig erzogen werden (das rechte Beispiel sehen), werden sie gute Menschen und spirituelle Kinder werden, die ein mustergültiges Leben führen. Wir sagen immer, wir wollen gute Schulen, aber wenn die Kinder in ihrer ersten Schule (Zuhause) verdorben werden, können sie in keiner anderen Schule der Welt mehr erfolgreich sein. Das ist das Problem. Kinder von Schülern des Meisters, die von Anfang an die Lehre in sich aufnehmen, von Geburt an vegetarisch leben, zum Satsang gehen, wohin werden sie gehen? Sie werden automatisch den Eltern nachfolgen. Ich glaube nicht, dass sie noch ir­gendeine Theorie benötigen. Sie werden sich automatisch entwickeln. Von Anfang an erhalten sie die höheren Werte des Lebens und sie werden bessere Schüler werden als wir.

Ihr wisst, durch welche Schule Guru Gobind Singhs Kinder gingen. Zu dieser Zeit gab es ständig Krieg (zwischen Hindus und Moslems) und viele Schwierigkeiten. Sie waren immer mit ihren Eltern zusammen und beobachteten alles. Was immer die Eltern sagten, war die Wahrheit. So lernten sie jeden Tag etwas – sie lernten aus den praktischen Dingen, die die Eltern taten. (Der damalige König versprach den Kindern, nachdem er sie gefangen genommen hatte, alles, wenn sie nur ihren Vater, Guru Gobind Singh, verließen. Alles bot er ihnen an, weltliche Güter, ein hal­bes Königreich usw. Wenn sie es aber nicht taten, drohte er ihnen, sie bei lebendi­gem Leibe einmauern zu lassen.) Als man wirklich begann, sie einzumauern und sie wieder fragte: "Verlasst ihr euren Glauben, nehmt ihr einen anderen an?" sagten sie: "Nein, ihr könnt uns nicht zwingen. Es ist eine freie Gabe, die wir im Innern erhalten haben. Wer könnte uns da zwingen?" Als man sie weiter dazu zwang, sagten sie im­mer wieder nein. Sie waren so entschlossen in ihrem Leben, dass sie sagten: "Ihr könnt uns weiter einmauern, kein Problem, aber wir werden unseren Vater niemals verlassen." So mauerte man sie lebendigen Leibes ein. Es machte ihnen aber nichts aus, denn sie hatten sich bereits vom Körperbewusstsein zurückgezogen. Das war das Ergebnis der Schule, durch die sie gegangen sind.

Wenn Meister in die Welt kommen, dann befreien sie ihre Kinder von Verhaftun­gen; sie machen sie frei von solchen Dingen. Wenn sie davon befreit sind, ist es für sie leicht, ohne Probleme nach Hause zurückzugehen. Sie sagen uns: "Schafft kei­ne Verhaftungen für eure Kinder, sondern Liebe." Liebe bedeutet, sie wissen zu las­sen, was richtig ist und was falsch. Geben wir unseren Kindern dieses rechte Ver­stehen nicht, so schaffen wir nur Verhaftungen, was uns selbst und den Kindern viel Leid bringen wird.

Meist schaffen wir für die Kinder solche Lebensbedingungen, dass sie ganz und gar den Verhaftungen erliegen. Schenkt ihnen Paläste und alle Annehmlichkeiten, dann werden solche Kinder für die Welt ohne Nutzen sein. Gebt ihr aber einem Kind rechtes Verstehen – Liebe ohne Verhaftung – und lasst ihr solch ein Kind im Wald zurück, so wird es dort einen Palast errichten. Meister sagte: "Schafft keiner­lei Verhaftungen, denn das bringt euch immer wieder in die Welt zurück." Der Aus­gleich des Gebens und Nehmens bleibt bestehen.

Niemals sagte ich zu irgend jemand: "Vergesst eure Kinder, lasst all diese Dinge ..." Nein, ihr habt diese Verhaftungen geschaffen, es ist der Hintergrund, dass sie mit euch zusammenkamen. Jetzt müsst ihr sie entwickeln. Ihr habt ihren Wunsch zu er­füllen. Was ist ihr Wunsch? Sie brauchen den Kontakt (mit der Gotteskraft). Dieses Wissen haben sie bereits in sich. Wenn jemand um diese Dinge weiß, dann weint er danach.

Liebe wird nur kommen, wenn sie rechtes Verstehen erhalten. Wenn eure Auf­merksamkeit nur mit den Kindern beschäftigt ist, werden sie keine guten Menschen werden. Wenn eure Aufmerksamkeit sich mit göttlichen, spirituellen Dingen be­schäftigt, werden sie von euch angezogen werden. Jetzt aber seid ihr von ihnen an­gezogen. Die Kinder entwickeln sich von selbst, indem sie uns zusehen. Wenn ihr in euren Familienangelegenheiten nur sanfte Worte haben würdet, gäbe es in der Familie nur Frieden und Harmonie.