| UNO Menschenrechtskonferenz |
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Rede von Dr. Harbhajan Singh, gehalten vor dem Plenum der Staatenkonferenz während der UNO Menschenrechtskonferenz, Wien, 18. Juni 1993
ich möchte Ihnen gerne meine Ansicht zu einigen sehr wichtigen Fragen darlegen und mich dabei von Herz zu Herz an Sie wenden, denn ich denke, die Probleme der Welt sind nicht politischer, sondern spiritueller Natur. Wir müssen aus diesen Problemen einen Ausweg finden. So gibt es einmal individuelle Probleme, die einzelne Länder betreffen. Ob wir nun Politiker sind oder eine verantwortliche Stellung im Bereich der Religion oder Spiritualität einnehmen, unsere Aufgabe ist ein- und dieselbe - wir haben Menschen (zu Menschen) zu entwickeln und den Menschen zu dienen. Wenn wir so leben und handeln, wird das zur Vollkommenheit führen, ja zur Lösung aller Probleme unseres jeweiligen Landes. Auf der internationalen Ebene müssen wir zu einer einheitlichen Sicht kommen. Wie sollte diese aussehen? Sie ist bereits in unserer Religion vorgegeben. Damit möchte ich sie darauf hinweisen, dass Gott den Menschen schuf und der Mensch die Religionen. Nie in der Geschichte hat je ein kompetenter Meister eine Religion gegründet, die Religionen wurden vielmehr nach dem Tod (der Meister) von den sogenannten Glaubensanhängern gegründet. Und diese schufen später sehr viele Begrenzungen innerhalb der Religion. Die Probleme in der Welt heutzutage bestehen aufgrund dieser Begrenztheit und nicht aufgrund der eigentlichen, wahren Religion. Was sind das für Begrenzungen? Jeder kennt sie. Der menschliche Körper ist der wahre Tempel Gottes, alles ist im Innern. Er ist die wahre Bibel, die wahre Kirche, der wahre Koran, die wahre Gurdawara und der wahre Tempel. Der Mensch wurde als das Ebenbild Gottes geschaffen. Was sollten wir also erkennen? dass wir alle eins sind in Gott. Wir sind alle eins, wir haben einen Vater, unsere Aufgabe ist ein- und dieselbe, unser Weg zurück zu Gott ist einer. Und so sollten wir bei diesem Anlass (der Menschenrechtskonferenz) erkennen, wie Frieden in die Welt gebracht werden kann, wie wir all diese Angelegenheiten vollkommen bereinigen können. Wenn die Menschen sich über ihre verschiedenen Gruppierungen, Ismen und Religionen erheben und die Präsidenten, die Staatsoberhäupter über ihre Länder, besteht schon Frieden, und auch die Menschenrechte sind dann gegeben. Die Menschenrechte liegen im Menschen selbst begründet. Alles ist dem Menschen eingeboren. Die Frage liegt in uns und die Antwort ebenso. Angenommen, Sie stellen mir eine Frage und ich gebe Ihnen die falsche Antwort, werden Sie mir nicht zustimmen, denn Sie tragen die richtige Antwort in sich. Der Mensch ist also in erster Linie Mensch, und erst dann tragen wir die verschiedenen Kennzeichen (der Religionen, Nationalitäten usw.) und gehören verschiedenen Geistesschulen an. Unsere Aufgabe ist jedoch, uns über die Begrenzungen zu erheben. Der zweite Punkt, den ich ansprechen möchte: Es gibt so viele Probleme, die den Menschen entglitten sind, und wenn wir uns auf diese Dinge versteifen, bringen sie neuen Hass und neues Blutvergießen in die Welt. Es gibt nur eine Lösung: Vergeben und Vergessen. Denn es gibt das Gesetz der Gerechtigkeit und das Gesetz der Vergebung. Das Gesetz der Gerechtigkeit kann in der Welt viel bewirken, aber was das Gesetz der Vergebung bewirken kann, kann das Gesetz der Gerechtigkeit niemals. Wer vergibt und vergisst, ist mutig und stark. Das Gesetz der Vergebung wird auch das Gesetz der Gnade genannt, und wer vergibt, ist voller Gnade und liebevoll zu allen. Meiner Meinung nach sind das die Dinge, durch die es uns gelingen kann, ganz aufrichtig, stark und positiv zu sein. All die Meister, die in die Welt kamen, lebten zu hundert Prozent für die anderen, und genau dasselbe ist auch unsere Aufgabe. In den Heiligen Schriften heißt es, dass es eine Sünde ist, so zu leben, dass man über das Lebensnotwendige hinausgeht. Wenn wir wirklich in diesem Rahmen leben, können wir einiges für die Armen und Bedürftigen erübrigen und viele Probleme der Menschen überwinden. Mein letzter Punkt betrifft die Probleme der Frauen: Bisher habe ich es nie so gesehen, dass Frauen und Männer anders wären, denn der eine kann nicht ohne den anderen leben. Die Frau ist die Inspiration für den Mann und die Kinder und kann auch eine Inspiration für ihre Umgebung sein. In der Bibel heißt es, dass die Männer ihre Frauen lieben sollten wie Christus die Gemeinde. Was bedeutet das? Es ist etwas Wunderschönes, wenn man so lebt. Wenn wir wirklich so leben, wird es keine Probleme mehr geben in der Welt. Die Frau ist eine Quelle des Glücks, und im Mutterleib gibt sie dem ungeborenen Kind rechtes Verstehen. Es gibt also eine sehr starke und positive Art zu leben, und so sollten wir leben. Und wir können damit auch anderen von großer Hilfe sein: "Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist." In dieser Hinsicht möchte ich Ihnen sagen, dass wir in dieser Welt eine ganz besondere Aufgabe haben, und dass wir andere so lieben sollten, wie die, die uns am nächsten stehen. Das ist der Weg, wie sich unser Selbst ausweiten kann, um die ganze Menschheit zu umfassen und um zu zeigen, dass wir wirklich Menschen im wahren Sinn des Wortes sind. Nur wenn wir uns über die Begrenztheit unserer eigenen Person, unserer Familie, unserer Gemeinschaft oder unseres Landes erheben, können wir uns die Bedürfnisse und Leiden unseres Nächsten zu Herzen nehmen, mag er in unserer Nähe oder weit weg von uns leben. Das ist der Weg für jeden einzelnen, und es ist die edle Aufgabe derer, die anderen helfen und die verantwortlich werden für die Belange der anderen. Während wir hier im Herzen eines wunderschönen Landes zusammengekommen sind, sollten wir die Bemühungen derer achten, die bereits Kopf und Herz einsetzen. Lassen Sie uns versprechen, mit den höheren Werten des Lebens zurückzukehren, denn der Zweck des menschlichen Lebens besteht darin, zu einem guten Ende zu kommen. Lassen Sie uns in unsere Länder zurückkehren und durch die höheren Werte des Lebens die Wahrheit lehren, so dass ewiger Friede in unseren Herzen ist. Ich danke Ihnen allen. |