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Menschwerdung
Auszug aus einem Vortrag von Dr. Harbhajan Singh, St. Gilgen, 10. Juli 1988

Spiritualität ist die Wissenschaft von der Seele und beschäftigt sich unmittelbar mit der Seele, nicht mit den physischen Organen, dem Gemüt oder dem Ver­stand. Alle Meister sagen dasselbe zu diesem Thema, und ihre Erfahrungen wur­den in den heiligen Schriften niedergelegt. Aber wir schenken dem keine Be­achtung. Nur das, was wir hören und auch verarbeiten, ist für uns von Bedeu­tung. Die Dinge, die wir lernen und gleich wieder vergessen oder nicht verar­beiten, sind keine Nahrung für die Seele. Wir sollten uns diesen Dingen widmen und erkennen, was in den Schriften steht und was unsere Aufgabe ist. Doch das haben wir vergessen. Wir glauben nur das, was uns zusagt, was unseren Ab­sichten dienlich ist oder hören gerne auf die, die uns zeigen, wie wir unsere Wün­sche erfüllen und in der Welt glücklich sein können.

Die Meister jedoch lehren uns, wie man all das überwindet und wie wir einen starken Wunsch, eine vorherrschende Leidenschaft in unserem Leben entwickeln können, die uns ewiges Glück, Selbsterkenntnis und Gotterkenntnis bringt. In vielen Begebenheiten wird von großen Menschen aus der Vergangenheit be­richtet, die ihre weltlichen Wünsche opferten und den höheren Werten des Le­bens den Vorzug gaben. Ihre Lehren sind uns bekannt. Sie opferten sich für die Wahrheit, für das Wohl anderer, um der Menschlichkeit willen. Ihr Opfer brach­te Demut in die Welt. Sie lebten in der Welt, aber sie waren keine Last für sie. Nur unsere Verhaftungen und Wünsche sind eine Belastung. Ihr könnt in den heiligen Schriften nachlesen, was für ein wunderbares Beispiel sie mit ihrem Leben gaben. Sie wussten sehr wohl, dass das, was sie erhalten hatten, ein Ge­schenk von Gott war und es ihre Aufgabe war, es überall zu verteilen. Ich will damit sagen, dass wir uns an diesen großen Persönlichkeiten ein Beispiel neh­men sollten.

Lasst uns so handeln, dass es nicht nur unserem eigenen Vorteil dient, sondern lernen, unsere Wünsche zu opfern, unsere falschen Ansichten in richtige um­zuwandeln, uns vom weltlichen Hintergrund loszulösen und mit dem spirituel­len Hintergrund, der jedem von uns eingeboren ist, in Verbindung zu kommen.

Im Leben eines jeden Menschen kommt eine Zeit, wo er die Gelegenheit erhält, seine Aufgabe zu erkennen. Wenn wir diese besondere Zeit nicht auf die rechte Art nützen, haben wir eine große Chance in unserem Leben verloren. Deshalb sollten wir diesen Satsang, zu dem wir hier zusammengekommen sind, als eine goldene Gelegenheit betrachten. Wir sollten die Welt und alles andere verges­sen, sonst lässt sie uns nicht los. Wenn ihr Maya (der Täuschung) nachlauft, könnt ihr sie nicht fassen - wenn ihr Maya liebt, werdet ihr dennoch keine Macht über sie haben. Wenn ihr jedoch versucht, sie zu vergessen und die weltlichen Dinge nur im Bereich des Notwendigen benutzt, ohne euch mehr als notwendig darum zu kümmern, wird Maya aufgeben und sich vor euch verneigen – so drückt es Kabir aus. Das schließt alles in der Welt mit ein: Eure Wünsche, eure Verhaf­tungen, eure (Bindung an die) Kinder, einfach alles! Wir müssen aber wissen, was für uns an erster, zweiter und dritter Stelle steht. Wir müssen unterscheiden lernen, was wir brauchen und was nicht, wo unsere Hilfe benötigt wird oder wo wir unsere Aufmerksamkeit zurückziehen sollten, was für andere ist und was für Gott. All das müssen wir selbst erkennen.

Ihr seht also, dass es einen physischen und einen spirituellen Aspekt des Lebens gibt. Mit physischem Aspekt ist der weltliche Bereich gemeint. Durch unser Le­ben in der Welt müssen wir unter Beweis stellen, dass wir spirituelle Menschen sind. Nur während wir in der Welt leben, können wir das lernen. Wenn ihr da­vor weglaufen wollt, werdet ihr nicht fähig sein, es zu lernen. Die Welt ist ein Spielfeld, auf dem das Spiel zwischen eurem Gemüt und eurer Seele gespielt wird, und ihr seid der Spieler. Ihr seid nicht das Gemüt und nicht der Körper; ihr seid die Seele, der Spieler in diesem Spiel. Wie spielt man es nun? Wir müs­sen einfach lernen, richtige Gedanken einzusetzen und so das Spiel zu spielen. Wenn wir es mit den nach außen gerichteten Sinnen des Gemütes versuchen, ge­hen wir in die falsche Richtung und werden auf dem Spielfeld immer verlieren. Wir müssen das Spiel beherrschen, denn nur wir selbst spielen es. Wir müssen es spielen, weil wir Rückwirkungen geschaffen haben. Wir kamen nur in die Welt, um uns auf diesem Spielfeld zu behaupten und dieses Spiel zu beenden.

Viele Heilige leisteten Großes auf diesem Spielfeld. Sie waren immer die Ge­winner. Wie ich euch sagte, ihr seid der Spieler, und es ist euer Spiel. Ihr dürft nicht länger die Verlierer sein, denn die Kraft (die das Spiel in Gang hält) kommt von euch allein. Ihr gebt dem ganzen die Kraft, ihr spielt die Hauptrolle. Wir kennen wunderbare Berichte aus Meisters Leben. Die meisten von euch haben Seine Lebensgeschichte gelesen. Er war ein sehr guter Spieler. Er tat immer in allem das Richtige. Durch Seine Art, das Spiel zu spielen, lehrte Er jeden eine spirituelle Lektion. Er spielte es auf sehr exakte Art. Wie machte Er es? Im welt­lichen Bereich tat Er alles im Namen Gottes und so war es Gottes Verdienst. Er wollte keine Anerkennung für sich. Wenn uns aber ein Fehler unterläuft, sollten wir ihn auch auf uns nehmen und darüber nachdenken, welche zusätzlichen An­strengungen wir unternehmen müssen, damit es Meister und unserer Seele dient. Jeden Tag können wir etwas in unserem Leben lernen. Auch vom Leben ande­rer kann man vieles lernen. Ihr könnt sehen, wie sie spielten, wie sie furchtbar fehlgeleitet wurden und ihr Spiel verloren. So könnt ihr leicht erkennen, dass es gut für euch ist, das Spiel aufrichtige Art zu spielen. Ihr könnt dann diese Din­ge vermeiden.

Diese Welt ist eine Welt der Verhaftung. Obwohl es sehr schwierig ist, in dieser Welt losgelöst zu bleiben, müsst ihr dennoch dort, wo euer Einsatz erforderlich ist, unbelastet bleiben. Das bedeutet, dass ihr euch um die weltlichen Angele­genheiten keine Sorgen machen sollt. Während ihr eurer täglichen Arbeit nach­geht, versucht immer, eurem Meister gerecht zu werden. Wenn ihr die liebevol­le Erinnerung an euren Meister beibehaltet, werdet ihr nicht von den negativen Folgen des Spiels berührt. Dieses Spiel in der Welt ist so ähnlich, wie wenn ihr in eine Kohlenmine geht. Auch wenn ihr noch so aufpasst, werden eure Kleider ein wenig schwarz werden. So ist es in der Welt. Ich meine damit nicht, dass ihr nichts für die Welt tun sollt; ihr sollt nur lernen, wie ihr alles richtig handhaben könnt. Es gibt Beispiele dafür. Ihr habt viele Bücher darüber gelesen, wie die Meister in der Welt lebten, und könnt leicht den Unterschied sehen, wie wir le­ben und wie sie lebten.

Wenn ihr das von Herzen lernt, könnt ihr den wahren Unterschied erkennen. Er ist sehr groß. Ich erkläre euch das, weil es euer Geburtsrecht ist, Seine Kraft zu haben – von Anfang an. Aber wir haben all das bisher nicht gelernt, vielleicht weil es unsere Eltern versäumt haben, vielleicht durch den schlechten Einfluss der Welt oder durch falsche Lehren. Aber nun habt ihr die Chance erhalten, hier (im Satsang) zu sein – das ist Gottes Gnade. Christus sagte: "Wo mehr als zwei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen." Der Zweck, zu dem ihr hierhergekommen seid, ist einzigartig: Uns selbst zu erkennen und das Überselbst zu erkennen. Das ist nun eine goldene Gelegenheit. Lasst das zu ei­nem neuen Anfang in eurem Leben werden. Je eher ihr das verstehen könnt, de­sto eher könnt ihr die Göttlichkeit erlangen. Ihr könnt einen festen Stand ein­nehmen und beginnen, so zu leben, dass ihr Meister gerecht werdet. Wir müssen lernen, wie wir in dieser Welt leben sollten. Bedenkt, das Gemüt gehört eigent­lich nicht zu euch, es ist euer Diener. Wie das Feuer ist es ein guter Diener, aber ein schlechter Herr. Ihr müsst es überwachen. Wenn ihr von euren Sinnen beeinflusst seid, könnt ihr sicher sein, dass es am Gemüt liegt.

Warum wollt ihr euch die Hand im Feuer verbrennen? Versucht, dem Feuer zu entkommen. Es ist schwierig für einen wahren Menschen, dessen Leben für al­le ein Beispiel ist, zu sehen, was in der Welt vor sich geht. Aber ihr könntet ei­ner von ihnen sein. Jeder kann diesen Status erreichen. Wie lange braucht man dazu? Meister sagt, dass ihr euer Leben in einem Augenblick ändern könnt. Ent­scheidet euch, und dann bedenkt immer, dass ihr mit jedem Atemzug rein leben müsst. Wenn ihr jetzt diese Dinge nicht beachtet, werdet ihr es lange, lange Zeit nicht tun können. Wieviel ist ein Atemzug wert, wenn ihr einfach nur einatmet und wieder ausatmet? Jeder Atemzug sollte mit Seiner Schwingung verbunden sein, wenn er nach außen strömt, und jedesmal, wenn ihr einatmet, sollte der Atem in liebevoller Erinnerung an Meister in euch einströmen. Ihr werdet se­hen, was das bewirkt. Die Schwingung wird da sein, sie macht euch rein und hält euch frei von den Auswirkungen der Welt.

Ihr wisst, es gibt eine Ebene, wo Christus sagte: "Ich und der Vater sind eins." Ein wenig Gift kann dort einen Menschen töten. Kommt nur ein (negativer) Ge­danke auf, wird man auf niedrigere Ebenen zurückgeworfen. So wirkt sich das auf einen bewussten Menschen aus. Ein bewusster Mensch ist, wer nicht einmal die geringste Spur von Schmutz in sich trägt. Das strahlt von ihm aus, und übe­rall wirkt es auf die Herzen der Menschen. Seine Worte sind voller Schwingung, sie können nie eine schlechte Wirkung auf jemanden haben. Ihr wisst, Gedanken sind sehr mächtig. Mit jedem Atemzug gehen die Gedanken weiter. Ihr schlaft, und die Gedanken gehen weiter, weil sie bereits mit eurem Gemüt in Verbin­dung stehen. Wir müssen sie unterbrechen, sie sollten keinerlei Verbindung mit dem Gemüt haben. Gebraucht das Gemüt, gebt ihm Gedanken ein, und lasst es bestimmte Aufgaben ausführen. Es sollte nicht so sein, dass das Gemüt Gedan­ken schafft und ihr gezwungen seid, dem Gemüt zu folgen und die Auswirkun­gen eurer Gedanken zu tragen. Das ist ein sehr subtiles Thema, aber ich sage euch, um selbst von der geringsten Negativität in uns freizuwerden, können wir nur an diesem Punkt beginnen. Wir müssen jeden Augenblick unseres Lebens sehr achtsam sein. Weil eure Gedanken im täglichen Leben vom Gemüt be­herrscht werden und von ihm freigesetzt werden, werdet ihr ärgerlich und emo­tional und schafft euch selbst Probleme. Ihr bereitet eurer Seele Probleme, denn ihr selbst habt dem Gemüt die Kraft gegeben, und ihr selbst seid (von den Rück­wirkungen) betroffen und nicht das Gemüt. Das geschieht tagtäglich. Es gibt ei­nen sehr wirksamen Weg, das vom Ausgangspunkt aus zu kontrollieren: Werdet nicht zum Opfer der Gedanken des Gemüts. Es gibt im Inneren einen sehr gu­ten Weg, um auf positive Art zu wirken: Lasst die Gedanken von euch (von der Seele) ausgehen, und lasst das Gemüt arbeiten. Ihr wisst, wie ihr das Gemüt ar­beiten lassen könnt.

Wenn man nicht wirklich bereit dafür ist, erscheint es am Anfang schwierig, aber wer bereit ist, kann ohne Probleme sofort damit beginnen. Es sind keine so großen Auswirkungen zu überwinden, dass ihr lange dazu braucht. Ihr müsst nur eure Aufmerksamkeit darauf lenken, um damit zu beginnen, und dann ist das Ver­gangene beendet. Vergesst das Vergangene, vergesst, was geschehen ist, aber be­ginnt jetzt, in diesem Augenblick.

Wer im Leben erfolgreich sein will, in seinen weltlichen Angelegenheiten und in der spirituellen Lebensweise, muss im Inneren beginnen, nicht im Äußeren. Äußere Gegebenheiten können nicht hilfreich für euch sein, wenn ihr nicht von innen alles vorbereitet habt. Was sich außen auswirken soll, muss man im Inne­ren vorbereiten und nicht im Äußeren, dann wirkt es sich in den weltlichen An­gelegenheiten positiv aus.

Es ist nicht so schwierig, wie wir jetzt denken mögen. Es praktisch zu tun, ist nicht schwer, denn alles, was ihr wirklich tun wollt, liegt im Bereich eurer Mög­lichkeiten. Wie wenn ihr zum Beispiel Essen zubereiten wollt – ihr habt alles, was ihr dazu braucht, in der Küche, und so könnt ihr kochen. Genauso ist alles, was ihr braucht, in euch, nicht außen. Wer es tun möchte, für den ist die Hilfe bereits da. Der Eine, für den ihr all das tut, wartet bereits auf euch. Er wartet auf eure Ankunft. Ihr geht einfach hin und beginnt damit. Erst müsst ihr euch selbst helfen, dann wird Meister euch Hilfe geben. Ich verrate euch das Geheimnis des Lebens jener, die das Mysterium des Todes lösten. Es ist möglich, weil Er uns jetzt Seine Hand reichen möchte. Ansonsten ist es sehr schwierig.

Ihr seid im Satsang, ihr seht Ihn nicht, aber Er ist bei jedem von uns. Diese Wor­te werden nicht ohne Seine Erlaubnis gesprochen, sondern kommen direkt von Ihm. Wenn Er etwas sagt, gibt Er die Lösung, damit man es tun kann. Betrach­tet es nicht als Theorie, es ist etwas Praktisches, das ihr jetzt sofort umsetzen könnt. Es kommt nun darauf an, ob ihr die Notwendigkeit jederzeit fühlt. Es mag für euch theoretisch klingen, aber beginnt damit, und es wird praktisch werden. Das sind lebensspendende Worte, denn schließlich braucht der Vater Seine Kin­der. Mag sein, die Kinder brauchen Ihn nicht, aber Er braucht sie, denn Er ist für Sein Versprechen verantwortlich. Wir haben unser Versprechen vergessen, aber Er nicht. Wir sind unwissend, weil wir fehlgeleitet sind. Wenn es uns ge­lingt umzukehren, gibt es weder für uns noch für Meister ein Problem – beide sind glücklich.

Wenn ihr dem Gemüt keine Nahrung gebt, wird es sterben. Es wird kommen, um etwas von euch zu erbitten. Gebt ihm nur soviel Nahrung, wie es unbedingt braucht. Lasst es immer hungrig und durstig sein. Es muss euch zu Diensten sein. Um im menschlichen Körper zu überleben, muss es zu euch kommen und bitten und betteln. Es sollte nie emotional werden oder euch emotional machen, denn das Gemüt ist Materie, aber wenn es die Kraft von der Seele erhält, wird es stär­ker als die Seele selbst. Die Seele wird der Diener und das Gemüt der Herr.

Wie schön ist es, wenn ihr euch an ein besonderes Erlebnis in eurem Leben er­innert. Dann seid ihr glücklich, und wenn ihr in diesem Zustand bei einer welt­lichen Arbeit seid und euch dabei selbst vergesst, wird euch diese Arbeit leicht fallen. Aber wie viele solche Erlebnisse gab es in unserem Leben? Doch jeder Augenblick unseres Lebens kann ein Erlebnis werden. Wir sollten uns diese Le­benserfahrung in Erinnerung rufen. Jeden Augenblick können wir etwas lernen und es anderen weitergeben, damit sie den richtigen Weg finden. So machen es die Meister. Jeden Moment erhalten sie (von innen) etwas Einzigartiges, etwas sehr Hohes, sie geben es an uns weiter und lehren uns so die höheren Werte des Lebens.

Ich erinnere mich daran, wenn wir lange Zeit bei Meister saßen, veränderte sich jeden Augenblick sein Gesicht, und jeden Moment lernten wir etwas Neues von Ihm. Wie Meister sagt: "Wenn ihr bei einer solchen Kraft seid, schweigt und wendet euch Ihm zu und wartet, was Er euch gibt." Wenn ihr ruhig dasitzt und mit der Aufmerksamkeit das Ein- und Ausströmen der Gedanken kontrolliert, wie ich es euch erklärt habe, wird euch das einen Weg zu rechtem Verstehen öff­nen – einen Weg, bewusst zu sein, bewusster Mitarbeiter am göttlichen Plan zu werden. Wir müssen vor uns selber bestehen können. Vor anderen bestehen zu können, kommt erst an zweiter Stelle; das ergibt sich von selbst, wenn wir vor unserem Vater bestehen können. Dann ist es die Aufgabe eures Vaters, eure Stel­lung und euren Zustand überall klarzustellen, denn Er braucht euch und möch­te euch zu bewussten Mitarbeitern am göttlichen Plan machen. Er wird jeden Au­genblick alle nur mögliche Hilfe geben. Er will nichts für sich behalten, denn alles, was Er hat, gehört dem Kind. Er selbst braucht nichts. Das ist ein Ge­schenk, während Er selbst über allen Geschenken steht. Er hat das Geschenk nur für uns mitgebracht, nicht für sich selbst.

Ihr wisst, jemand, der mit dem Gemüt und den nach außen gerichteten Sinnen identifiziert ist, sucht nach Frieden, aber kann ihn nirgends erlangen. Er verliert vielmehr überall etwas von dem Guten in ihm, bis ihm nichts mehr davon bleibt. Es ist äußerst schwierig, es wieder zu erhalten. Das Herz ist ein Ganzes, es ist wie ein Spiegel: Wenn er in hundert Teile zerspringt, ist es sehr schwer, ihn wie­der in seinen ursprünglichen Zustand zu bringen. Das ist der Zustand der welt­lichen Menschen. Dann kommt eine Zeit in ihrem Leben, wo sie weinen und niemand da ist, der sie hört. Das ist wohl die furchtbarste Zeit im Leben eines Menschen, wenn er den Wünschen nachläuft und ihm alles zwischen den Fin­gern zerrinnt. Die Wünsche erfüllen sich nicht, und sogar die übelsten Dinge wollen nichts mit ihm zu tun haben.

Was möchte die Welt von euch? Das Gute! Wenn das Gute in euch einmal ver­dorben ist, ist niemand mehr euer Freund. Ihr seid der Verlierer und werdet dann nur noch weinen. Das ist schließlich die Endstation für einen Menschen, der im­mer durch die nach außen gehenden Sinne des Gemüts mit der Welt identifiziert ist. Ein guter Mensch ist nicht sein Freund.

Wenn ein gewöhnlicher Mensch, der wenig Geld hat, ein kleines Geschäft be­ginnt, achtet er sehr genau darauf, was ihm Gewinn oder Verlust bringen wird. Er rechnet jeden Tag seine Einnahmen und Ausgaben nach. Angenommen, er verdient nicht einmal das nötige Geld für seinen Lebensunterhalt, gibt er das Ge­schäft auf. Er sagt, dass dieses Geschäft nicht das richtige für ihn ist. So macht man es in der Welt. Wie weit sind wir dem gerecht geworden? Wir haben nicht über die positiven und die negativen Auswirkungen im Leben nachgedacht. Aber wir sollten es jeden Augenblick tun. Wir sehen, dass die meisten von uns, wenn wir täglich nachrechnen, die Verlierer sind. Es ist allein Meisters Gnade, die uns erhält.

Was ist Satsang? Im Satsang lernt man, zwischen Gut und Schlecht zu unter­scheiden. Das ist unsere Aufgabe: zu unterscheiden, was gut und was schlecht für uns ist. Das müssen wir selbst erkennen. Kann das jemand für uns tun? Nein! Sogar Meister sagt: "Das ist eure Aufgabe!" Und der nächste Schritt, den ihr tut, wird euch helfen, Meister nahe zu sein und Seine Hilfe zu erhalten. Der erste Schritt muss vom Schüler getan werden, dann kommt Er uns mit Millionen von Schritten entgegen, sagt Meister. Es hängt von eurer Empfänglichkeit ab. Je emp­fänglicher ihr seid, desto weiter kommt Er euch entgegen.