| Rechtes Verstehen |
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Auszug aus einem Vortrag von Sant Kirpal Singh, Englisches Sat Sandesh, Juni 1972 Ein Mensch kann von einem anderen Menschen lernen, je nachdem, über welches Wissen der andere verfügt. Zuerst einmal sollten wir uns vor Augen halten, dass die ganze Welt dem Gemüt ausgeliefert ist. Das Gemüt wirkt in vier Phasen. Eine Phase ist die gesammelte Aufmerksamkeit, die zweite Phase ist das Ergebnis davon: Das Gemüt wird aktiv. In der dritten Phase unterscheidet man mit Hilfe des Verstandes. Die vierte ist das Schlussfolgern, nachdem man sich über etwas klar geworden ist, wodurch ein berauschendes, intensives Gefühl der Freude aufkommt – der Stolz. Das ist also die Wirkungsweise der vier Phasen des Gemüts. Was man gelernt hat, kann man anderen weitergeben. Wer den Weg des Schlussfolgerns gegangen ist, kann wiederum andere lehren, was er durch logisches Denken gelernt hat. Doch er kann anderen durch logisches Denken keine praktische Erfahrung vermitteln. Ich war einmal bei einem Treffen in Kanpur, wo man Vorträge über die Gita hörte. Die geheime Lehre ist in den heiligen Schriften erwähnt, aber da kein verwirklichter Mensch da ist, wird ihre Bedeutung nicht verstanden. Im vierten und sechsten Kapitel der Gita steht ganz klar geschrieben, dass man zu einem gottverwirklichten Menschen gehen und ihn mit aller Aufrichtigkeit um Antwort fragen muss. Weiterhin heißt es dort, man solle, wenn man mit den Antworten zufrieden ist, den Anweisungen dieses gottverwirklichten Menschen folgen und so werde man auch Verwirklichung erlangen. Im siebenten, achten, neunten, zehnten und elften Kapitel wird noch deutlicher ausgeführt, dass man sich hinter die Augen erheben muss und so weiter. Das ist nun offensichtlich etwas, was man nur praktisch tun kann, und wenn diese heilige Schrift nicht von jemandem erklärt wird, der dieses Wissen wirklich praktisch erfahren hat, wie soll man dann die genaue Bedeutung davon verstehen? In Kanpur erhob sich einer der Redner und sagte: "Brüder, macht euch bereit, denn jetzt werde ich euch Gott zeigen." Natürlich war jeder von dieser Aussage sehr beeindruckt. Er hielt einen wunderschönen Vortrag – wirklich anerkennenswert. Er legte das Thema auf intellektuelle Art sehr schön dar und kam zu dem Schluss, dass es eine höhere Kraft gibt. Aber er hatte diese Kraft nicht gesehen und konnte sie anderen nicht zeigen. Was ich damit sagen wollte ist, dass ein Mensch andere nur bis zu der Ebene führen kann, die er selber erreicht hat, und nicht darüber hinaus. Wie soll es möglich sein, dass jemand, der von Gemüt und Sinnen umgeben ist und von dieser Ebene aus spricht – so schön seine Worte auch sein mögen – sich selbst aber nicht über das Gemüt, den Verstand und die Sinne erhoben hat, andere darüber erheben kann? Es ist sehr wichtig, diesen Punkt ernsthaft zu überdenken. Lesen, Schreiben und Denken sind die ersten Schritte auf dem Weg. Heilige Schriften zu lesen ist keine Zeitverschwendung, denn sie beschreiben in Worten die Erfahrungen, die die verwirklichten Seelen mit der Wahrheit gemacht haben. Versteht ihr? Hört auf die wahren Worte des Meisters. Er spricht von dem, was Er sieht. Die Meister sprechen von dem, was sie sehen. Als sie sahen, sangen sie davon, und diese Lieder trugen Frucht. Die in bloßen Gefühlen gefangen sind – "Gott existiert für immer, ich fühle, dass es so ist" oder ähnlich – beschreiben Seine ewigseiende Natur mit gewandten Worten, aber nur auf der Gefühlsebene. Es ist wie bei der sprichwörtlichen Gruppe von Blinden, die versuchten, einen Elefanten zu beschreiben. Einer betastete das Bein des Elefanten und sagte: "Oh, er ist wie eine Säule." Ein anderer befühlte das Ohr und sagte: "Brüder, er ist wie ein Fächer." Der nächste berührte den Bauch und erklärte, der Elefant sei wie ein Fass, und der letzte befühlte den Schwanz und bestand darauf, der Elefant sei wie ein Seil. Keiner dieser Blinden hatte je einen Elefanten tatsächlich gesehen, und so war ihre Einschätzung unzutreffend, denn sie verließen sich nur auf ihr Gefühl. Die Menschen, die auf die Aussagen derer hören, die von ihren Gefühlen ausgehen, werden selber von Gefühlen geleitet und werden untereinander immer im Streit liegen, weil sie jeweils die Ansicht ihres Gurus vertreten. Wenn jemand einen Elefanten beschreibt, den er mit offenen Augen gesehen hat, wird er sagen: "Seine Beine sind wie Säulen, sein Bauch ist wie ein Fass, usw.." Er wird auf ganz klare und exakte Art alles zu einem ganzen Bild zusammensetzen. Es ist sehr wertvoll, diesen Punkt ganz genau zu verstehen: Ihr könnt nur bis zu dem Punkt geführt werden, den der erreicht hat, der euch führt, und wenn er ganz in seinen Gefühlen aufgeht, wird er das predigen, was seinem Gefühl nach richtig ist. Auf diese Weise kann man zu einer beliebigen Zahl von Auslegungen kommen, über deren Widersprüche die Menschen in Streit geraten. Gott ist Einer – doch Seine Kraft wirkt auf verschiedene Arten. Einige verehren Gott als Lord Shiva und andere als Lord Vishnu. Die Anhänger Shivas werden sagen: "Ich möchte Vishnus Antlitz nicht sehen", und die Anhänger Vishnus möchten Shiva nicht sehen. Ach Brüder, es ist ein und dieselbe Kraft, die von derselben Quelle ausgeht und verschiedene Aufgaben erfüllt. Ein Mensch, dessen Auge für die Wahrheit geöffnet ist, sieht klar, dass es verschiedene Wirkungsweisen derselben Gotteskraft sind. Der Strom, der vom Kraftwerk kommt, erzeugt an dem einen Ort die wärmende Wirkung des Feuers, an einem anderen die kühlende Wirkung des Eises. Wer ihn verwendet, um Wärme zu erzeugen, könnte die Meinung vertreten, dass Elektrizität nur Wärme hervorbringen kann, und wer in einer Kühlanlage arbeitet, könnte darauf bestehen, dass Elektrizität nur zum Kühlen verwendet werden kann, doch der Experte vom Kraftwerk sieht (wie der Strom wirkt) und weiß, dass der elektrische Strom Verschiedenes bewirken kann. Jeder spricht von seinem eigenen Wissensstand aus, ob dieses Wissen nun begrenzt oder umfassend ist. Man muss das Geheimnis des Lebens lösen, doch wer die Lösung nur gefühlsmäßig hat, wird einfach seine Gefühle beschreiben; und wer durch Schlussfolgern zu einem Ergebnis gekommen ist, wird einfach seine theoretischen Schlussfolgerungen erklären. Und was ist mit dem, der den Weg der Emotionen gegangen ist? Er wird zu tanzen beginnen, denn er kann sich nur emotional ausdrücken. Und das kommt alles daher, dass keiner von ihnen gesehen hat - das ist der Grund, warum sich ihre Aussagen voneinander unterscheiden, und es ist auch der Grund, warum ihre Aussagen nicht völlig korrekt sein können. So kann man verstehen, warum es immer so viele Konflikte auf dem Gebiet der Religion gegeben hat. Die Veden sagen dazu: Die Wahrheit ist eine, aber die Menschen haben sie durch den Verstand verschieden interpretiert. Wir sollten uns immer diesen Punkt vor Augen halten: Hier geht es um etwas, was man nicht vollständig mit dem Verstand begreifen kann. Und was sagt die Brihadaranyaka Upanishad? Sie sagt, dass es genauso unmöglich ist, Gott mit intellektuellen Begriffen zu beschreiben, wie zu versuchen, den Durst mit Wein zu stillen oder aus Sand Öl zu gewinnen. Zum selben Thema sagt Guru Nanak: Man kann Gott nicht durch Gedanken erreichen, mögen es auch Millionen Gedanken sein. Es ist nicht eine Sache des Denkens, wenn uns auch das Denken dem Ziel etwas näherbringen mag. Wie kann dieses Rätsel gelöst werden? Wenn die Sinne stillstehen, das Gemüt zur Ruhe kommt und der Verstand zum Schweigen gebracht ist, erkennt die Seele. Ohne einen vollkommenen Meister gibt es kein richtiges Verstehen und deshalb auch keinen wirklichen Fortschritt. Ohne richtiges Verstehen ist jeder voller Stolz und behauptet: "Mein Weg ist der richtige" und versucht, ihn anderen aufzuzwingen. Warum gibt es all diese Konflikte und Meinungsverschiedenheiten, wenn doch all die verschiedenen Aspekte denselben Ursprung haben? Selbst wenn es um die Lebensweise geht, sagen einige, das Leben als Familienvater sei das beste, andere, ein Leben als Einsiedler. Was ist nun besser? Die Meister sagen: Glück besteht weder darin, ein Familienleben zuführen, noch darin, sein Zuhause zu verlassen. Glück liegt in dem Wissen, das wir beim Meister erhielten. Wahres Glück zu finden, hängt nicht davon ab, ob man sich von der Welt zurückzieht oder nicht, es kann nur gefunden werden, wenn man zu den Füßen des Meisters mit der Wahrheit in Verbindung kommt. Die Meister sind diejenigen, die die Wahrheit gesehen haben – sind daher ihre Aussagen nicht zutreffender? Die heiligen Schriften enthalten die Worte derer, die richtiges Verstehen hatten – sie sahen und gaben ihr Wissen weiter. Was ist nun richtiges Verstehen? In wenigen Worten: Es gibt jemanden, der uns das Leben geschenkt hat (Vater und Mutter), doch Brüder, es muss jemanden geben, der für die Entstehung allen Lebens verantwortlich ist und dem alles seine Geburt verdankt. Das ist eine logische Schlussfolgerung des Verstandes, nicht wahr? Alle verehren den, der alles geschaffen hat, in der einen oder anderen Form, ob man Ihn nun Ram, Allah oder Gott nennt. Nun sind Ram, Allah und Gott nicht verschiedene Wesen. Der Schöpfer der ganzen Schöpfung ist Einer, doch Ihm wurden von den Rishis, Munis und Mahatmas verschiedene Namen gegeben. In Wahrheit hat Er keinen Namen. Verneigt euch vor dem Namenlosen. Doch die Meister gaben Gott Namen, um den Menschen zu helfen, an Ihn zu denken. Zum Beispiel nannte man Ihn Ram. Dieses Wort kommt von rum, was bedeutet "in der ganzen Schöpfung widerhallend". Er wohnt allen Formen inne, und um dieses Wesen mit den vielen Namen zu erkennen, haben wir uns der einen oder anderen Religion angeschlossen. Hunderte von Liebenden, doch der Geliebte für alle ist einer. Religion und Kaste unterscheiden sich, doch alle haben dieselbe Aufgabe. Diese Aussage ist wirklich die eigentliche Grundlage des richtigen Verstehens, und wenn sich richtiges Verstehen entwickelt, wo bleiben dann die Konflikte, wo bleiben die Meinungsverschiedenheiten? Die Seele ist eine bewusste Wesenheit. Gott hat allen eine physische Form gegeben, und der innere und äußere Aufbau ist derselbe bei allen – selbst die äußere Erscheinung ist gleich. Dieselben Krankheiten befallen den menschlichen Körper. Und mehr noch – jede Seele steht unter dem Einfluss des Gemüts und der Sinne, die die Seele wiederum nach außen zu den weltlichen Vergnügungen ziehen. Wer seine Seele vom Gemüt trennt und das Gemüt von den Sinnen und die Sinne von den Vergnügungen, erlangt wirklich das richtige Verstehen. Er ist ein Ergebener des Einen Schöpfers, und wenn man bei einem solchen Erleuchteten, einem Ergebenen Gottes sitzt, kann man auch dieses richtige Verstehen bekommen. Weil es ihm fehlt, bleibt der Mensch in der Welt gefangen. Alle Menschen, in allen Religionen, sind in diesem Zustand gegangen, und wenn ihr euch aus dieser traurigen Lage befreien wollt, müsst ihr dahin kommen: Wenn die Sinne stillstehen, das Gemüt zur Ruhe kommt und der Verstand zum Schweigen gebracht ist, erkennt die Seele. Ihr könnt sehen, dass selbst das Heilmittel für das Leiden der Menschen ein und dasselbe für alle ist. Geht zu jemandem, der sein Gemüt und seine Sinne zur Ruhe gebracht hat. Wenn ihr zu jemandem geht, der intellektuell geschult ist, werdet ihr einen geschliffenen Vortrag hören und vielleicht fünf oder zehn verschiedene Auslegungen zu einem Punkt, die alle auf logischen Schlussfolgerungen aufgebaut sind, doch gesehen hat er das, wovon er spricht, nicht – und was noch wichtiger ist, er kann es euch nicht zeigen. Swami Ji Maharaj sagt: Wenn ihr euch von der Welt befreien wollt, befolgt die Anweisungen eines wahren Meisters. Der Gurbani nennt das die unreifen Worte weltlicher Menschen im Unterschied zu den ausgereiften Worten der spirituell Erleuchteten. Die Worte, die von den spirituell Erleuchteten gesprochen werden, kommen direkt von einer höheren Kraft. Alles, was gesprochen wird, ist letztlich von einer Kraft abhängig – doch es gibt zwei Arten von Ton: Der eine ist verborgen und der andere offenbar. Der verborgene Ton erhält alles – seit wann? Dieser Ton begann jenseits der vier Zeitalter. In ihm vibriert die Wahrheit. Der Ton, der außen hörbar wird, wird von den Pranas, den sogenannten Lebensströmen, erhalten, doch der verborgene Ton besteht aus sich selbst, ihn verehren wir alle. Was sollte man tun, um richtiges Verstehen zu erlangen? Erlebt die Schönheit des Satsangs – der Gemeinschaft mit jemandem, der das Ebenbild der Wahrheit ist. Satsang ist nicht die Gemeinschaft mit Intellektuellen, Rednern, Heuchlern, Propagandisten oder bezahlten Predigern. Um das Rätsel des Lebens zu lösen, raten uns alle Meister, zuerst einmal richtiges Verstehen zu entwickeln: Tatsächlich zu verstehen, dass wir die Seele im Körper sind, die verkörperte Seele, ganz gleich, ob wir Hindus, Moslems oder Christen sind oder irgendeiner anderen Religion angehören. Erkennt, dass alle Menschen zur selben Kaste gehören. Es gibt keinen Unterschied zwischen jemandem, der in der Stadt und jemandem, der in der Wildnis wohnt, denn alle Menschen sind wirklich verkörperte Seelen, und alle werden von derselben Kraft erhalten, der Kraft, die die Seele im Körper kontrolliert. Bedenkt, es gibt neun Öffnungen im Körper, doch die Seele kann ihn durch keine von ihnen verlassen. Erst wenn der Erhalter oder der, der die Seele im Körper kontrolliert, sich zurückzieht, verlässt auch die Seele den Körper. Der Atem verlässt den Körper; er könnte draußen bleiben, doch es gibt etwas, das ihn kontrolliert, etwas, das ihn in den Körper zurückzieht. Das ist das Geheimnis des Lebens, und wenn man es löst, erlangt man richtiges Verstehen. Ohne richtiges Verstehen erreicht man nichts, was der Mühe wert ist, doch mit richtigem Verstehen werdet ihr richtige Gedanken haben, und aus richtigen Gedanken ergeben sich richtige Worte und richtige Taten. Von da an entwickelt sich die Liebe für die ganze Menschheit von selbst. Dann erhebt sich die Frage gar nicht, ob man mit anderen über unbedeutende Unterschiede streiten soll. Man bringt das zum Ausdruck, was man gesehen hat, und nicht das, was man sich nur gedacht hat. Es ist ein großer Segen, ein menschliches Leben erhalten zu haben, und das Ziel des menschlichen Lebens ist, sein Geheimnis zu lösen. Wenn ihr jetzt das Gemüt, den Verstand und die Sinne noch nicht zur Ruhe bringen könnt, dann bleibt in der Gemeinschaft von jemandem, der es kann. Wo der Satguru ist, ist man in Gemeinschaft mit der Wahrheit. Satsang ist nicht der Ort, wo man sich Geschichten über die Vergangenheit und die Zukunft anhört, damit sich jemand seinen Lebensunterhalt damit verdienen kann. Wo sogar die Schriften unter tausenderlei verschiedenen Betrachtungsweisen erklärt werden, kann sich richtiges Verstehen nicht entwickeln. Bitte entschuldigt, aber das Ausmaß des Predigens hat in diesem Zeitalter den Gipfel erreicht – ich glaube nicht, dass es jemals zuvor so überhand genommen hatte. Und das Ergebnis von all dem ist, dass wir die anderen hassen. Die Schritte, die wir machten, führten in die falsche Richtung, und dennoch machen wir immer noch so weiter. Was ist also das Heilmittel? Wie ich schon sagte: Bei jemandem zu sein, der richtiges Verstehen hat. Wir nehmen jetzt eine Hymne von Guru Nanak Sahib: Wenn ihr einem wahren Satguru begegnet, erhaltet ihr das Juwel des richtigen Verstehens. Der Satguru ist die Verkörperung der Wahrheit. Er wurde zum wahren Wissen und sieht, dass Gott der Handelnde ist und in der ganzen Schöpfung wirkt. Wisst, dass ein Satguru jemand ist, der alle vereint. Damit ist nicht ein Guru einer bestimmten Sekte gemeint, sondern der Meister der ganzen Welt, der ganzen Menschheit. Ein solcher Guru sieht nicht auf eure Religion, sondern sieht euch - dass ihr eine Seele im menschlichen Körper seid. Er hat sich selbst von allen Fesseln befreit und kann auch andere befreien. Die Fragen, wie man die Sinne von den Attraktionen der äußeren Welt zurückziehen kann, wie das Gemüt von den Sinnen frei werden und die Seele vom Gemüt getrennt werden kann, sind alle Teil der praktischen Wissenschaft, in der der Satguru ein kompetenter Experte ist. Er kann dem Sucher eine wissenschaftliche Erfahrung geben, so dass dieser wiederum lernt, unter der Führung und Anweisung des Satguru die tägliche Erfahrung durch regelmäßige Übung zu erweitern. Mit einer solchen Methode kann der Schüler genauso ein Experte werden wie der Meister. Es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Meister und dem Stein der Weisen. Der Stein der Weisen verwandelt Eisen in Gold, doch der Meister macht uns ihm selbst gleich. Der Stein der Weisen kann keinen zweiten Stein der Weisen hervorbringen, doch der Meister kann die Seelen zu verwirklichten Seelen machen. Das ist der Grund, warum alle Meister betonen, dass Spiritualität etwas anderes ist als Lesen, Schreiben und Denken. Denken ist eine Hilfe, und Denken ist ein Hindernis. Wenn ihr über den Schriften sitzt und euch auf der Ebene des Verstandes Gedanken macht, ist das immerhin ein erster Schritt, den ihr mit der Hilfe der Worte der Meister macht, die in den heiligen Schriften zu finden sind. Doch all das nützt euch überhaupt nichts, wenn es praktisch darum geht, die Sinne von den Sinnesobjekten zurückzuziehen und sich vom Gemüt zu lösen. Dazu muss man ein höheres Glück kosten, wozu das Gemüt bis jetzt nie die Möglichkeit hatte. Es ist alles eine Sache der Praxis, und der, der das Ganze praktisch verwirklicht hat, kann euch das geheime Wissen davon weitergeben. Man sollte seine Gemeinschaft suchen. Als ich auf der Suche nach der Wahrheit war, war das eine sehr intensive Suche, kann ich euch sagen. Ich fing abends an, ein Buch zu lesen, und las die ganze Nacht hindurch ohne aufzuhören, aber nur um morgens aufzustehen und dennoch keinen Ausweg entdeckt zu haben. Die Bücher enthielten sehr gute Gedanken, erfrischend wie grünende Obsthaine. Das Herz beginnt so, nach den Dingen zu verlangen, die in den Büchern beschrieben sind. Doch wie kann man sie bekommen? Die Bücher sagen: "Gott ist über all – kein Ort ist ohne Ihn. Er offenbart sich überall." Doch wie kann man Ihn sehen? Das ist die brennende Frage, nicht wahr? Ich kann nur wiederholen, dass es eine Sache der Praxis ist. In diesem Zusammenhang sagt Bulleh Shah: Warum diesen Stapel Bücher lesen und den Kopf mit all diesen Gedanken belasten? Lass die Worte, lass das Abwägen, gib all diese atheistischen Methoden auf! Stimmt es nicht, dass man durch zu viel Lesen nur immer mehr durcheinander kommt, weil man das Gehirn für nichts und wieder nichts ermüdet? Bücherwissen ist wie eine Wildnis, durch die man nicht hindurchkommt. Die Liebe zu dem Einen sollte im Herzen sein, das ist alles. Ist das nicht der Sinn hinter allem Schriftenlesen – Gott zu lieben? Tulsi Sahib sagt: Lesend und lesend starb die ganze Welt, niemand wurde ein Lehrer. Wenn du bei dem Wort 'Liebe' verweilst und sie in dir entwickelst, wirst du ein wirklicher Pandit (Lehrer). Das Lesen sollte dazu führen, sich dem Herrn hinzugeben und alle Wesen zu lieben, da der Herr in allen ist. Die Menschen tun das nicht. Sie halten nur Vorträge, doch entwickeln sie keine Liebe in sich. Alle Konflikte in der Welt bestehen, weil es an Liebe fehlt, und alle Konflikte werden durch diejenigen verursacht, die die Wahrheit nicht verwirklicht haben, sondern es vorzogen, durch Lernen zu Macht zu kommen. Sie sind verantwortlich für die Konflikte und Auseinandersetzungen, unter denen die Menschheit leidet. Hätten sie die Wahrheit erkannt, hätten sie von ihr gesprochen. Doch statt dessen sagen sie: "Nein, nur unsere Religion ist die richtige." Auf diese Weise brachten sie eine Religion gegen die andere auf, schürten die Kontroversen und saßen dann da und sahen zu, wie Menschen ihr Blut für diese sinnlose Sache vergossen. Ein klares Beispiel dafür ist die Trennung von Indien und Pakistan, die durch solche Umstände zustande kam, und diejenigen, die sie verursacht hatten, sahen zu, wie an die 1.500.000 Menschen sinnlos abgeschlachtet wurden. Hätten sie auch nur ein wenig richtiges Verstehen gehabt, hätte sich diese Tragödie nie ereignet. Vor einigen Jahren, als Hazur noch lebte, gab es in Multan (im heutigen Pakistan) Unruhen zwischen Hindus und Moslems. Baba Sawan Singh Ji Maharaj fuhr dort hin und hielt einen Satsang, und die Leute, die ihn hörten, sagten: "Wärt Ihr nur früher gekommen, hätte es diese Unruhen gar nicht gegeben." Meister kommen in die Welt, um Brüder und Schwestern miteinander zu verbinden, nicht um sie auseinander zu reißen. Und sie kommen, um die Seelen wieder mit Gott zu verbinden – das ist das Werk der Meister. Sie sagen: "Liebt!" In der Liebe ist Einheit, Einssein – nicht Trennung. Naam ist der Erhalter von Khand und Brahmand. Dieses Naam zu verwirklichen bedeutet richtiges Verstehen. Das einzig Wahre, das einzig Reine ist Naam. Tulsi Sahib sagt: Sie singen die vier Veden, achtzehn Puranas, neun Viakranas und sechs Shastras, doch verlieren die Wahrheit, die in ihnen beschrieben wird. Das trifft für die Anhänger aller Religionen zu. Sie lesen die heiligen Schriften wie Papageien, ohne die eigentliche Bedeutung zu verstehen. Und nicht nur, dass die Wahrheit beim Lesen verloren ging, er sagt weiter: Ohne Surat Shabd (die Verbindung der Aufmerksamkeit (Surat) mit dem inneren Ton – Shabd oder das Wort) zu kennen, ist man wie der Chandool Vogel, man kann alle Worte nachahmen, ohne ihre Bedeutung zu kennen. Welchen Wert hat Bücherwissen, wenn die Aufmerksamkeit oder Seele nicht mit Gott oder der Überseele in Verbindung kommt und eine Gefangene bleibt, umgeben von Gemüt und Sinnen, von denen sie sich nicht trennen kann? Tulsi Das vergleicht es mit dem Chandool Vogel, der jeden Ton, den er hört, nachahmt. Das heißt nun nicht, dass man nie schreiben oder denken sollte, aber das allein hat keinen Wert. Das eigentliche Ziel hinter dem Lesen der Schriften – wenn man wirklich versteht, was man liest – liegt darin, eine praktische Erfahrung zu erhalten. Seit die Welt besteht, hat der Jiva die Bücher nicht beiseite gelassen und erlangte kein wahres Glück. Was für eine klare Aussage. Wir können die heiligen Bücher und Schriften einfach nicht loslassen. Sicher, äußeres Wissen ist wie eine Blumengirlande, die einen verwirklichten Menschen schmückt. Er wird den Pfad der Wahrheit auf vielerlei Arten erklären und dadurch den verschiedenen Suchern helfen zu verstehen. Doch eine verwirklichte Seele ist eine verwirklichte Seele, mit oder ohne weltlichen Titel, und was Er auch sagt, ist voller Bedeutung, erfüllt von unbegrenzter Liebe und Wahrheit. Sheikh Saadi sagt, wenn ein gelehrter Mann nicht die Verwirklichung erlangt habe, seien Lesen und Schreiben wie eine Eselslast auf seinem Kopf. Zu diesem Thema sagt Guru Amar Das Ji, es sei, als bereite man eine Süßspeise ohne Zucker zu – wird sie süß schmecken, selbst wenn man sie von morgens bis abends mit dem Löffel rührt? So erklärt Guru Nanak die Wichtigkeit des richtigen Verstehens: Wenn ihr dem wahren Satguru begegnet, erlangt ihr das Juwel des wahren Wissens. Richtiges Verstehen kommt erst, wenn die Seele sich über das Gemüt erhebt. Denkt einfach sorgfältig darüber nach: Ihr seid auf der Ebene des Gemüts und habt bis jetzt das Geheimnis noch nicht gelöst. Wenn ihr auf dieser Ebene bleibt, wie wollt ihr volles Verstehen erlangen? Wenn ihr zu einer verwirklichten Seele geht, um richtiges Verstehen zu erhalten, dann geht in aller Demut und lasst eure persönlichen Ansichten beiseite. Ihr wisst, was ihr wisst. Wenn ihr bei Ihm seid, versucht zu verstehen, was Er sagt. Bedenkt, von welcher Ebene aus Er spricht, und vergleicht es dann mit dem, was ihr wisst. Viele zögern, zu Ihm zu gehen, weil sie stolz auf ihr Wissen sind. Jemand, der eine hohe weltliche Position hat, wird nicht zu Ihm gehen, weil er von seiner eigenen Macht berauscht ist. Ein Reicher wird nicht zu Ihm kommen, weil er stolz auf seinen Reichtum ist. Bedenkt, dass ein gottverwirklichter Mensch nicht mit Geld gekauft, nicht durch Macht beeindruckt und nicht mit Gewalt gedrängt werden kann. Wenn ihr zu Ihm geht, lasst eure eigenen Ansichten beiseite – schließlich kann sie euch niemand rauben. Wir machen den Fehler, das, was Er sagt, nach dem einzuschätzen, was wir bereits wissen: "Das haben wir schon gehört." – "Das sagt der und der auch." usw.. Brüder, Er wird all das sagen und noch mehr, denn Er muss mit den Menschen auf ihrer Ebene sprechen, damit sie umfassend verstehen, und so wird Er viele Wahrheiten zitieren, die andere gesagt haben, damit der Sucher seinen Weg leichter findet. Doch die Tatsache bleibt, dass der Sucher seinen Verstand für eine Weile zur Ruhe bringen und in aller Demut zuhören muss, wenn er etwas erhalten möchte. Nur wenn das Gefäß unter den Wasserhahn gehalten wird, wird es gefüllt. Doch wie kann es gefüllt werden, wenn man es über den Wasserhahn hält? Deshalb heißt es: Wenn das Gemüt dem Satguru übergeben wird, wird die Arbeit des Schülers mit Erfolg gekrönt. Als Ashtavakra König Janaka das (innere) Wissen gab – wisst ihr, was er von ihm dafür verlangte? Er verlangte vom König Körper, Reichtum und Gemüt. Das Gemüt ist mit dem Erhalt von Körper und Reichtum beschäftigt, und wohin das Gemüt geht, geht alles andere auch. Guru Nanak sagt uns, dass man ewige Liebe erhält, wenn man sein Gemüt dem Meister gibt. Swami Ji Maharaj sagt: "Oh Wissenschaft, wie unwissend du bist, du kennst den Wert eines Meisters nicht." Die Meister sind ein wogendes Meer der Liebe: Sie lieben Gott, und Sie lieben die Menschen. Doch der Mensch beurteilt den Meister mit seinem Verstand – eine Unmöglichkeit – denn Sie sind erfüllt vom Nektar der Liebe, in Ihrer Gegenwart wird man von Sehnsucht nach Gott überwältigt, Sehnsucht nach einem überfließenden Gefäß der Liebe zu Gott und zur Menschheit. Lasst euren Verstand beiseite und werdet empfänglich, dann werdet ihr sehen. Einmal in Berlin (Deutschland) bat das Publikum mitten im Vortrag, der aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt wurde, der Übersetzer solle aufhören, weil keine Übersetzung notwendig sei – "Wir verstehen mehr durch Seine Augen." Die Augen sind die Fenster der Seele; durch sie erhält man Berauschung und versteht die tiefe Bedeutung der Worte. Sein Gemüt aufzugeben bedeutet nicht, die Vernunft oder den Verstand aufzugeben. Es bedeutet vor allem, das Gemüt vollständig zur Ruhe zu bringen und zu erfassen, was der Meister sagt. Wenn ihr das Ego beiseite lasst, werdet ihr die eigentliche Bedeutung verstehen und dadurch empfänglich werden, die unaufhörliche Schwingung der Kraft des Meisters in euch aufzunehmen. Kabir Sahib hat uns gewarnt, was geschehen kann: Der Körper sitzt beim Meister, und das Gemüt ist woanders. Kabir sagt: Wie kann man ein ungebleichtes Tuch färben? Swami Ji sagt: Macht Satsang, indem ihr empfänglich seid. Es macht nichts, die Worte nicht zu verstehen, wenn man empfänglich ist, denn Seine Ausstrahlung wird euch Berauschung geben. Dieses kostbare Juwel des Verstehens, das ihr erhaltet, wenn ihr zum Satguru kommt, ist unbezahlbar, unschätzbar wertvoll. Doch man erhält es nicht auf der Ebene des Gemüts. Das Gemüt muss für eine Weile zur Ruhe gebracht werden, dann werdet ihr eine solche Liebe erhalten – Liebe, die wie ein wogender Ozean in euch aufsteigt. Euer ganzes Wesen wird von dieser Überfülle der Liebe erhoben. Danach könnt ihr euer Gemüt zur Ruhe bringen, wann immer ihr wollt. Oh Gott, wie können wir die Gemeinschaft eines solchen Heiligen je verlassen, bei dessen Anblick das Gemüt ruhig wird? Man kann das als Beurteilungskriterium für einen Meister nehmen, denn ihr könnt dieses Geschenk nicht in der Gemeinschaft mit Intellektuellen erhalten. Die unendlichen Wogen der Wahrheit strömen vom wahren Satguru aus, und diese Wogen berühren das Herz des aufrichtigen Wahrheitssuchers. Selbst Tausende von Meilen entfernt kann der Schüler das erhalten, wenn er seine Aufmerksamkeit darauf ausrichtet. Wenn das Radio Übertragungen über Tausende von Meilen hinweg auffangen kann, warum sollte es unserer Aufmerksamkeit (Surat) nicht möglich sein? So ist also der Satguru die wesentliche Voraussetzung, um dieses Juwel des Wissens zu erlangen. Man erhält Berauschung von einer wahrhaft verwirklichten Seele, wenn man seine Aufmerksamkeit auf den Meister konzentriert und dadurch empfänglich wird. Jemand, der stolz ist auf seine Bildung und seinen geschulten Verstand, mag den Meister bei irgendeiner Gelegenheit sehen, aber er wird nichts davon haben. So verschieden ist es bei den Menschen. Denkt daran, das Gemüt ist Materie, es ist nicht bewusst. Außerdem ist es von dem Schmutz vergangener Zeitalter bedeckt. Ein Magnet kann keine Wirkung auf schmutzige, lehmbeschmierte Eisenspäne haben, doch wenn sie sauber und frei von Erde sind, reagieren sie augenblicklich auf den Magnetismus. Der Meister kann mit einem sehr starken Magneten verglichen werden, und unsere Seele besteht aus derselben Substanz, doch haftet an ihr der Schmutz der Erfahrungen aus unserer Vergangenheit. Beseitigt den Schmutz, und die Seele wird ganz natürlich zu ihrer Quelle gezogen. Probiert es aus: Sitzt bei einem Meister, lasst euer Gemüt für eine Weile beiseite, und seht, wieviel Glück und Berauschung ihr erhaltet. In euch wird Liebe entstehen, ihr werdet vor Liebe überfließen, denn Gott ist Liebe, und die Seele ist Ihm wesensgleich – ein Tropfen aus diesem Meer der Liebe – obwohl sie sich im Augenblick auf tausend attraktiven Betätigungsfeldern auf der Ebene des Gemüts und der Sinne weit zerstreut. Für kurze Zeit getrennt von all dem falschen äußeren Glanz und zentriert oder konzentriert, wird die Seele zu jener Liebe hingezogen, die aus der ewigen Quelle hervorbricht. Das ist ein Gesetz. Wir lesen die Worte der Meister, die kostbaren Edelsteine, die sie uns hinterlassen haben, doch nur selten verstehen wir ihre wahre Bedeutung. So sagt Er uns: Wenn ihr euer Gemüt eurem Meister gebt, erhaltet ihr unvergängliche Liebe. Ihr erlangt das Geschenk der Erlösung, das den Schmutz aller Sünden beseitigt. Mit richtigem Verstehen wird das Gemüt durch den seelenvollen Blick des Meisters von diesem Zustand der Zerstreuung, an dem es leidet, geheilt. Heißt es nicht in den Schriften, dass man Erlösung durch Naam oder das Wort erlangt? Was ist dieses Naam? Es ist Naam oder das Wort Gottes, das die ganze Schöpfung erhält. Und wann erhaltet ihr dieses Geschenk, das alle Unvollkommenheiten beseitigt? Wenn ihr in empfänglicher Haltung bei einem Meister sitzt. Selbst wenn ihr Seine Sprache nicht versteht, werdet ihr von der Ausstrahlung profitieren. Wenn ihr auch noch Seine Worte versteht, um so besser. Guru Arjan Sahib sagt: "Durch einen Darshan, bei dem der Schüler mit dem Blick des Meisters verschmilzt, sind alle Sünden zu Ende." Vollkommen mit jemandem eins zu sein, völlig in ihm aufzugehen, ist etwas ganz anderes, als ihn nur zu sehen. Es muss ein Verschmelzen sein: Zwei Herzen sollten eins werden, damit die Seele empfänglich wird. Christus sagte: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben – nur die Meister können dies verstehen – wer in mir bleibt und ich in ihm, bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Das wird Gurubhakti genannt. Wenn ihr jemandem wirklich ergeben seid, werdet ihr ihm gehorchen. Auch Christus sagte: "Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote." Liebe spricht jeden Menschen an und findet ihre Erwiderung.
Die Meister sagen uns, was richtiges Verstehen bedeutet: Ihr seid nicht der Körper, ich bin nicht der Körper, ihr seid eine Seele, ich bin eine Seele. Gott erhält unser Leben, und meine Seele ist in Einklang mit Ihm; und durch Seine Gnade werdet auch ihr wieder mit Ihm verbunden. Die Gotteskraft, die im Meister wirkt, fuhrt den Schüler beständig. Wenn ihr dieses Geschenk erhaltet, werden all eure Fehler und Unvollkommenheiten beseitigt. Unser größter Fehler ist, dass unsere Aufmerksamkeit zerstreut ist, verteilt auf so viele äußere Dinge. Das ist unser Hauptproblem. Doch wenn das Gemüt beginnt, von dem Nektar der höheren Berauschung zu kosten, warum sollte es sich dann wieder niederen Vergnügungen zuwenden? Oh Bruder, ohne den Meister gibt es keine Erkenntnis. Im Srimad Bhagavat steht geschrieben, dass Brahma voller Sorge war, als er die vier Veden schuf. Wisst ihr warum? Weil Lesen, Schreiben, Lernen und sich das Alphabet anzueignen zur Verwirklichung der Wahrheit nicht notwendig sind. Guru Nanak sagt: Geh' und frage Narad danach, und Sukhdev, den Sohn von Ved Vyas. Die Wahrheit kann ohne einen Guru nicht erkannt werden. Wenn das Gemüt zur Ruhe kommt, empfängt man Wellen der Ausstrahlung des Meisters, die allein schon vom menschlichen Pol ausgehen und eine gewaltige Ladung haben. Je nachdem, wie empfänglich man ist, nimmt man diese geladenen Wellen entsprechend der eigenen Empfänglichkeit auf. Gebildete und Ungebildete können beide empfänglich werden, doch solange das Gemüt nicht beiseite gelassen wird, gibt es keinen spirituellen Fortschritt. Guru Nanak sagt uns, dass wir zu einer Autorität auf diesem Gebiet gehen sollten, um ihn zu fragen, und er wird uns sagen, dass man es ohne einen Meister nicht erlangen kann. Guru Nanak sagt auch: Ohne einen Satguru erlangte niemand Wissen vom Göttlichen, und wird es niemand je erlangen. Dieser Ton kann nicht mit Worten ausgedrückt werden, doch ihm wurden verschiedene Namen gegeben - Udgit, Nad, Wort, Naam. Es zu erfahren ist wahres Wissen. Über die Größe des Meisters, der uns dieses Wissen zugänglich macht, sagt Paltu Sahib: Wer den Ton, der vom Gaggan (Sitz der Seele im Körper) kommt, hörbar macht, ist mein Gurudev. Wer es uns möglich macht, den Ton im Gaggan zu hören und uns damit verbindet, ist wirklich ein Meister. Er erhebt uns ein wenig nach oben und öffnet den Weg. Jenes große Licht Gottes führt unsere Aufmerksamkeit weg von den äußeren Attraktionen. Es ist eine kleine Erfahrung von Gott. Mein Guru gibt mir das Licht von Gottes Naam. Im Gayatri Mantra wird dasselbe erwähnt: "Oh Gott, bringe uns zu dem Licht der Sonnenstrahlen im Innern. Geht und sucht, ob es eine solche Persönlichkeit gibt, die euch dieses Licht zeigen kann – wo auch immer ihr ihn finden könnt." Warum können wir dieses Wissen nicht ohne einen Meister erhalten? Versteht sehr sorgfältig, dass wir von den Sinnen umgeben sind und uns für den physischen Körper halten. Wir haben unser wahres Selbst vergessen. Wenn man ein kleines Kind fragt, wer es ist, öffnet es weit die Augen und den Mund, und versucht auszudrücken, was es ist, denn es hat noch ein wenig Bewusstsein von seinem wahren Selbst bewahrt. Doch wenn es erwachsen wird, erklärt es: "Ich bin Ram Das, ich bin Ram Singh, ich bin Mr. Khan." Dieser kleine Bruchteil des Erwachens ging verloren, und um es wiederzuerlangen, brauchen wir die Hilfe eines Meisters. Selbst wenn hundert Monde und tausend Sonnen aufgehen, ist trotz all diesen Lichts ohne einen Meister alles äußerste Dunkelheit. Wenn das innere Auge nicht geöffnet ist, wie kann man dann sehen? Dieses Auge wird Shiv Netra genannt, das Dritte Auge, das Einzelauge. Wenn dein Auge eins ist, wird dein ganzer Körper voller Licht sein. Und: Wenn die zehn Sinne unter Kontrolle sind, wird die Seele vom strahlenden Licht erfüllt. Aber wie kann man die Sinne kontrollieren und sie nach innen wenden? Dieses Geheimnis lehrt uns der Satguru. Alles äußere Lernen hängt mit der Aufmerksamkeit zusammen, doch sie zerstreut sich dabei nach außen; das wahre Wissen erlangt man dadurch, dass man sich nach innen wendet. Das ist das ABC der Spiritualität. Wo die Philosophien der Welt enden, beginnt die wahre Religion. Wenn man zum Satguru kommt, öffnet sich der Pfad des richtigen Verstehens, indem man das innere Wissen erfährt. Oh Bruder, wenn man dem Satguru begegnet, wird man befähigt, nach innen zu gehen. Selbst wenn wir im Äußeren etwas lernen, brauchen wir Hilfe, und natürlich kann diese noch exaktere Art des Wissens nicht ohne die Hilfe eines Experten erlangt werden. Die kleine Erfahrung, die uns am Anfang gegeben wird, vergrößert sich durch die tägliche Verbindung. Der Tod während des Lebens enthüllt das Geheimnis. Ihr werdet sehen. Wenn sich die Aufmerksamkeit zurückzieht und der Körper gefühllos wird, könnt ihr sagen: "Ja, ich habe das erfahren." Wer diese Erfahrung erhalten hat, kann es als praktischen Beweis bestätigen, selbst wenn es nur eine kleine Erfahrung war. Es ist wie in der Wissenschaft und nicht eine Sache auf der Ebene der Sinne und der Gefühle, denn die Seele selber macht die Erfahrung, und je höher sie sich erhebt, über das Astrale und Kausale erhebt, um so mehr Erfahrung wird sie erhalten. Schließlich sieht die Seele: Ich und mein Vater sind eins – Er wirkt durch mich. Konzentration auf den unbeschreiblichen Ton ist das Wissen. Der früchtespendende Baum des Meisters ist grün und sein Schatten reicht weit. Der Meister wird mit einem gewaltigen, schattenspendenden Baum mit frischen grünen Blättern verglichen, dessen Blüten voller Duft sind. Wer in seinem Schatten sitzt, empfindet angenehme Kühle. Maulana Rumi sagt, dass unser Herz bei jemandem verweilen sollte, der den Zustand des Herzens kennt. Dann stellt er selber die Frage, wie das möglich ist, und gibt die Antwort, dass man unter einem Baum sitzen sollte, dessen Blütenduft alles erfüllt. Man sollte nicht ziellos in der Welt herumwandern, sondern in ein Geschäft gehen, wo Honig verkauft wird, denn in der Welt werden viele Dinge gelehrt – es brodeln riesige Töpfe, und man sollte nicht dorthin gehen und sich ohne zu überlegen arglos seine Schale füllen lassen. Es gibt viele Schwarzmärkte in der Welt, aber noch mehr, wenn es um die sogenannte Spiritualität geht. Einmal war Jesus verärgert über die Pharisäer, weil sie den Tempelbezirk mit ihrem Geldwechseln entweihten, und er vertrieb sie. Bulleh Shah hat das sehr deutlich beschrieben: An den heiligen Orten leben Betrüger, in den Tempeln leben Halsabschneider, in den Moscheen leben berufsmäßige Prediger, doch die wahren Liebenden leben woanders. Das zeigt, wie tief der Mensch gesunken ist. Religionen sind gut und schön, aber es sollte ein geeigneter Lehrer da sein, eine verwirklichte Seele. Statt dessen findet man eine arme Seele, die damit ihren Lebensunterhalt verdient. Er muss bestimmte Vorschriften einhalten, oder er wird entlassen. Was kann man schon von so einem armen Menschen erhalten? All diesen Gemeinschaften lag eine edle Absicht zugrunde, doch durch den Verfall gingen sie nach unten und entsprechen nicht mehr dem Ideal. Sie verlangen Opfergaben, Geld, Blumen oder ähnliches, dann geben sie ihren Segen und sagen: "Geh mein Kind, die Erlösung ist dir gewiss!" und verteilen noch "heilige Speise", um den Handel perfekt zu machen. Der gute alte Brauch verdirbt sich selbst. Die Bräuche entstanden, um den Menschen zu helfen, frei zu werden, doch nun sind sie zu Fesseln für sie geworden. Jemand, der einer bestimmten Religion angehört, hat Angst, mit Angehörigen einer anderen Religion Umgang zu haben. Das ist das Ergebnis davon, dass die Lehre nicht richtig weitergegeben wird. Unser Hazur Baba Sawan Singh Ji sagte immer: "Ihr habt das Geschenk (die Erfahrung) erhalten und könnt hingehen, wohin ihr wollt; wenn ihr dort etwas Besseres findet, nehmt es, und auch ich werde dorthin gehen." Wir sind Schüler der Wahrheit und sollten dahin gehen, wo wir sie erhalten können. Der früchtespendende Baum des Meisters ist grün, und sein Schatten reicht weit. Das Schatzhaus des Meisters (Bhandar) ist ein Ort, wo man etwas unschätzbar Wertvolles erhält. Geht und sitzt in dem erfrischenden Schatten. Nach einem langen "Fußmarsch durch die heiße Sonne fühlt man sich wiederbelebt, wenn man ein wenig im kühlen Schatten eines belaubten Baumes verweilt. Wenn man zu den Füßen einer verwirklichten Seele sitzt, wird einem die Wirklichkeit bewusster, und man merkt, wie unwirklich die Welt ist. In der Gemeinschaft des Meisters erkennt man Gott. In Seiner Gegenwart scheint Gott ganz nah zu sein, doch wenn man Seine Gegenwart verlässt, fällt man wieder in den alten Zustand zurück. Dieses Juwel des Wissens – das richtige Verstehen – findet man im Schatzhaus des Meisters, und man erhält es zu Seinen Füßen. Im Schatzhaus des Meisters erhaltet ihr die reine Liebe von Naam. Wenn ihr diese wichtige Aufgabe (die Verbindung mit Naam zu erhalten) nicht während des Lebens erfüllt, wird nach dem Verfall der physischen Form das Elend noch größer, wenn ihr in die Hand von Yama, dem Herrn des Todes, gelangt. Dann erntet ihr die Früchte von allem, was ihr während des Lebens gesät habt und werdet so weiterhin im Kreislauf bleiben. Doch wenn ihr euch über die Sinne erhebt und den süßen Nektar von Naam kostet, ist euer Kommen und Gehen zu Ende. Wenn ihr auf der Sinnesebene lebt, werdet ihr ewig in den Ketten von Geburt und Tod gebunden bleiben, ganz gleich, wie viele gute Karmas ihr auch ansammelt. Der juwelenbesetzte Schatz liegt jenseits dieser Welt. Er hat mit den Sinnen nichts zu tun und kann deshalb nicht durch sie erlangt werden. Ein Meister, der einen solchen Schatz hat und ihn uns geben kann, ist sehr selten zu finden. Zur Zeit von König Janak gab es nur einen in ganz Indien – Ashtavakra. Sukhdev Swami fand auch nur einen – König Janak. Natürlich ist es um so besser für die Welt, je mehr da sind. Es macht keinen Unterschied, wo eine verwirklichte Seele lebt – im Dschungel oder in der Stadt. Wenn man einem vollkommenen Meister begegnet, der all diese Eigenschaften besitzt, erlangt man die Erlösung, während man normal lebt, lacht und gewöhnliche Kleider trägt. Er wird euch nicht raten, euer Zuhause und eure familiären Verpflichtungen aufzugeben, sondern wird sagen, dass ihr von den 24 Stunden des Tages 2-3 Stunden für diese heilige Aufgabe freihalten sollt. Diese Aufgabe muss genauso erfüllt werden wie die weltlichen Pflichten, also verdient euren Lebensunterhalt und steht auf eigenen Beinen. In alten Tagen war es so, dass die, die die Welt verlassen hatten, um ein spirituelles Leben zu fuhren, niemals Geld für ihren Lebensunterhalt sammelten und auch keinen Besitz hatten. Sie aßen, wenn ihnen Essen angeboten wurde. Doch heutzutage ist diese Art zu leben zu einem Geschäft geworden, und sie begannen, nicht nur alle möglichen Sachen, sondern auch Geld zu sammeln. Das, was heute daraus entstanden ist, ist weit vom ursprünglichen Sinn entfernt – Blinde führen Blinde. Das ist der Hauptgrund, warum der Begriff "Guru" bei den meisten Menschen in Verruf geraten ist. Sie sagen, es ist besser, die Schriften zu Hause zu lesen, als zu einem Meister zu gehen. " Das gehört mir, das gehört mir ", sagen sie, doch dann verließen sie die Welt und nahmen weder Körper, Reichtum, Frau oder Familie mit.Die ganze menschliche Rasse ist damit beschäftigt, Besitz anzusammeln, doch keine Seele kann beim Tod irgend etwas mitnehmen – weder Besitz, noch Menschen – nicht einmal der Körper, der ihr erster Gefährte in dieser Welt war, wird sie begleiten. Man hat das ganze Leben lang seine Aufmerksamkeit vergeudet. Ohne Naam haben alle äußeren Reichtümer keinen Wert, denn dann hat man den Weg vergessen. Wir sind Bewohner des physischen Körpers, so sehr identifiziert mit ihm, dass wir uns selbst vergessen haben, wir sehen nicht auf der Ebene der Seele, sondern nur auf der Ebene des Körpers. Es ist ein Zustand tiefen Vergessens. Reich und arm, gebildet und ungebildet, alle sind im selben Zustand der Täuschung. Der Körper besteht aus Materie, die Welt besteht aus Materie, und beide verändern sich mit derselben Geschwindigkeit. Weil wir mit dem Körper identifiziert sind, denken wir, wir stünden still und würden uns nicht verändern. Die ganze Welt leidet unter zwei Arten der Täuschung – jar-maya und chaitan-maya – die groben und feinen Arten der Illusion. Wir lösen uns aus dem Griff dieser Illusionen, wenn eine Meisterseele uns über sie erhebt, uns das spirituelle Auge öffnet und uns auf den Pfad stellt. Ansonsten macht es keinen Unterschied, ob man äußeres Wissen hat oder nicht. Die geistige Unwissenheit bleibt. Eigentlich ist es so, dass ein Ungebildeter schneller auf dem spirituellen Pfad vorankommt, denn wenn man ihm sagt: "Geh nach oben", wird er beginnen, ohne zu zögern oder zu fragen. Doch ein Gebildeter wird erst einmal stehenbleiben und fragen: "Warum? Wie viele Stufen gibt es? Was ist an der Spitze? Ich hoffe, ich werde nicht ausrutschen und fallen." Dieses intellektuelle Zögern hält ihn dort fest, wo er ist. Er wird nie nach oben gehen. Trotzdem ist es wahr, dass ein Gebildeter, der nicht zulässt, dass ihm sein Intellekt im Weg steht, nützlicher sein kann als andere (weil er die Lehre erklären kann). Doch solche Fälle sind selten. Das äußere Wissen ist wie eine Blumengirlande, die einen verwirklichten Menschen schmückt, der die Wahrheit auf vielerlei Arten erklären kann. Doch für eine nicht verwirklichte Seele ist das gleiche Wissen wie eine Last auf einem Esel. Indem er dem wahren Meister dient, erkennt der Gurmukh den Unbeschreiblichen. Werdet jemand, der Ihm dient, in dem sich der ewig seiende und unvergängliche Herr offenbart: dem Meister. Wer kann ihn erkennen? Nur ein Gurmukh. Und wer ist ein Gurmukh? Wer eins ist mit dem Guru. Ein Fakir sagte, dass die Gottsucher Ihn in den Wellen des Ozeans des Gemüts verloren haben –- in den Gedanken des Verstandes. Geht und sucht einen wahren Meister, um richtiges Verstehen zu erhalten. Wir kommen und gehen im Rad des Lebens entsprechend der Karmas – wie kann das, was geschrieben steht, ausgelöscht werden? Gesetz ist Gesetz. Man muss durch das hindurch, was im Jenseits festgelegt wurde. Wer die Welt und alles, was dazugehört, liebt, wird wieder und wieder in sie zurückkehren. Gute Handlungen bringen ihm Glück und schlechte Handlungen Elend. Hölle, Himmel und immer wieder eine neue Geburt. Wenn man sich über die Sinne erhebt und das innere Wissen erfahrt, kann man neh-karma (frei von Karmas) werden. Für einen solchen Menschen hört das ewige Rad des Lebens auf sich zu drehen. Der einzige Grund für unser ständiges Wiederkommen in die Welt ist unsere Bindung daran. Wenn wir Gott ein wenig lieben, geht es uns meist um weltliche Vorteile und nicht darum, Ihn um Seiner Selbst willen zu erkennen. Wenn ein gottverwirklichter Mensch uns das richtige Verstehen gibt, lehrt er uns die wahren Werte des Lebens, und wie man den besten Gebrauch von allem macht. Ohne Gottes Namen gibt es keine Freiheit, doch das Wissen des Gurus gibt uns die Verbindung. Wir können diesen Namen oder Naam nicht selber erkennen, denn welche Praktiken wir auch ausüben, wir bleiben damit auf der Ebene der Sinne. Wir müssen uns auf das Wissen des Meisters verlassen, denn Leben kommt von Leben und Licht von Licht. Außer Ihm habe ich niemanden. Er ist mein Leben und mein Atem. Er spricht aus Erfahrung, denn Er hat gesehen, dass alles von Gott erhalten wird. Wir können das nicht erfahren, weil wir im Äußeren zerstreut sind. Die Meister sprechen nicht von sich aus, sondern ihre Worte kommen direkt von Gott, denn sie sind in ständiger und direkter Verbindung mit Ihm. Sie sind mit Gott verbunden. Ein Fakir erklärt, dass das, was die Meister sagen, Gott selber sagt, obwohl es scheint, als kämen die Worte aus einer menschlichen Kehle. Alle werden verzehrt von Ego, Verhaftung, Gier und Stolz. Shabd ist dasselbe wie Naam. Gott ist Ashabd, doch Seine Offenbarung ist Shabd. Schöpfung und Auflösung entstehen durch Shabd, durch Shabd kommt eine neue Schöpfung. Shabd ist die Kraft hinter der ganzen Schöpfung und der Auflösung. Es gibt zwei Arten von diesem Shabd, Naam oder dem Wort: Das eine ist das äußere, auf der Ebene des Gemüts und des Verstandes, und das andere ist darüber. Das letztere ist das, was man durch die Gnade des Meisters erhält. Erlangt die Verbindung mit diesem Shabd und meditiert darüber. Das Ergebnis wird sein, dass ihr einen Schatz an Wissen erlangt, ihr werdet die größte Errungenschaft erhalten: Die Musik der Sphären zu kennen. Das war eine Hymne von Guru Nanak Sahib, der sehr offen versucht hat, uns den Weg des richtigen Verstehens und seinen unschätzbaren Wert zu lehren. Nun sagt Dhani Dharam Das Ji, der Kabir nachfolgte: Oh Gott, wohin hast Du mich geschickt? An jenem unwandelbaren Ort leben die Hansas, und hier ist nur das Spiel des Negativen. Er beschwert sich bei Gott: "Ich bin ein bewusstes Wesen, eine Seele, und der Ort, wo ich hingehöre, ist Sat Lok; ich bin der Bewohner der wahren Heimat, doch wo bin ich jetzt? Der unwandelbare Ort liegt dort, wo die Hansas leben – die zwischen Wahrheit und Unwahrheit unterscheiden können. Wie wurde ich nur in dieser negativen Täuschung gefangen? "Oh Geliebte (Seele), deine Heimat war ein Ort allen Bewusstseins, doch du hast dich an die Materie gebunden. Mensch, deine Heimat bestand nicht aus Materie, denn du wohntest an einem reinen Ort, und doch steckst du hier fest in Lehm und Wasser." Hunderte von Weisen drücken diesen Gedanken aus. Guru Nanak sagt: Du wohnst in der unvergänglichen, wahren Heimat, und ich bin verloren in vergänglicher Materie. Lernt also zu sterben, damit ihr zu leben beginnen könnt. Wenn ihr Sehnsucht nach dem ewigen Leben habt, lernt vor dem Tod zu sterben. Alle Meister lehrten, wie man den Körper während des Lebens verlassen kann. Der unvergängliche Nektar erhält alles im Land des Sat Purush (des wahren Wesens). Dieser Ort liegt jenseits des Kreises von Kai (negative Kraft) und Maha Kai, wohin Auflösung und große Auflösung nicht kommen. Wer den Sat Purush kennt, ist der Satguru, und in Seiner Gemeinschaft erlangt der Schüler Erlösung. Oh Nanak, singe das Lob Gottes. Und: Wenn man dem Satguru begegnet, sehen die Augen. Der Meister befähigt die Seele, dieselbe Stufe zu erreichen, auf der Er steht. Wer eins geworden ist mit dem Sat Purush, wird die suchenden Seelen auch dorthin bringen. Wer nur eine Zwischenprüfung gemacht hat, kann nicht an der Universität lehren. Wer Pind (die physische Welt) überstiegen hat, verdient zweifellos einen gewissen Respekt, doch wir sollten sehen, wie weit er über Pind hinausgegangen ist. Es ist sehr schade, dass die tatsächlichen Worte der Meister nicht immer überliefert sind, denn ihre Worte wurden gewöhnlich erst zusammengetragen, nachdem sie die Welt verlassen hatten. Es ist sogar möglich, dass die Worte einiger Meister, die weiter gegangen sind, niemals aufgeschrieben wurden. So ist es schwierig zu unterscheiden, bis wohin jemand gekommen ist. Kabir Sahib sagt: Sagt nicht, dass die heiligen Schriften lügen. Ein Lügner ist, wer nicht praktiziert, was er liest. Wenn ihr nach innen geht, werdet ihr diese Meister treffen, so wie ihr die Leute hier trefft, wenn ihr nach Delhi kommt. Dharam Das bittet mit gefalteten Händen: Die Welt ist ein Ort von Geburt und Tod – "Bringe mich in meine wahre Heimat, oh Satguru, es liegt allein in Deiner Hand." Jene Gotteskraft, die Wahrheit, wirkt im menschlichen Pol des Satguru. Sie wirkt auch in uns allen, doch hat sie sich nicht in allen Menschen offenbart. Reichtum, Bindung, alles ist Illusion – alles ein Spiel von Kal. Die Welt ist verloren im Vergessen, weil die Gedanken sich endlos im Äußeren zerstreuen. Wo eure Aufmerksamkeit hingeht, werdet ihr sein, und das ist der Grund, weshalb ihr wieder und wieder in die Welt kommen müsst. Der Meister offenbart uns die Öffnung, in der das Geheimnis verborgen ist. Wenn man die Türen schließt, hört man Anhad (den Ton der aus sich selbst erklingt). Wenn ihr dahin kommt, dass ihr Anhad erfahrt, bedeutet das, dass ihr bei eurer Aufgabe erfolgreich wart. Das wird erst dann sein, wenn ihr euch völlig von allem, was euch im Äußeren anzieht, zurückgezogen und euch über das Gemüt und die Sinne erhoben habt. Durchbrich die Täuschung, durchtrenne die Verhaftung, und gib mir Nirvana, jenen ewig bestehenden Ort der Hansa, den nur sehr wenige erreichen. "Oh Gott, segne mich mit dem Zustand jenseits der drei Eigenschaften. Reichtum und Verhaftungen ziehen mich wieder und wieder hierher. Hilf mir aus all dem heraus und bringe mich an jenen Ort, der immer und ewig besteht, wohin nur wenige gelangen – nur die, die wie Hansas sind, die zwischen Wahrheit und Unwahrheit unterscheiden können." Das ist sein Gebet an die Gnade des Satgurus. Das ist die Lehre der Meister – der Menschen, die das wahre Wissen erkannt haben. Lebt, wo ihr wollt, bleibt in eurer Religion, doch macht euer Leben gut, rein und rechtschaffen.
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